In Deutschland werden jedes Jahr rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Eine gigantische aber auch irgendwie nicht greifbare Zahl. Eine Zahl mit der man gern einmal jongliert und sich kurz vor Augen hält, dass das schon eine ganze Menge ist. Mit dem nächsten Atemzug gerät die Zahl allerdings auch wieder schnell in Vergessenheit und der angeschrumpelte Apfel landet im Müll. Sechs Berliner wollen mit einem bisher einzigartigen Restaurant in Deutschland gegen die Lebensmittelverschwendung kämpfen und mit dem erwirtschafteten Gewinn sogar Bildungsprojekte fördern. Im Oktober öffnet mit „Restlos Glücklich“ Deutschlands erstes Reste-Restaurant. Im Restaurant wird ausschließlich mit noch genießbaren Lebensmittelresten gekocht.


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Restaurant kocht ausschließlich mit noch genießbaren Lebensmittelresten

Dass „Restlos Glücklich“ absolut konkurrenzlos in Deutschland startet, wollte ich zunächst gar nicht fassen. Dem aktuellen Bericht der Osnabrücker Zeitung zufolge ist es wohl so. Anette Keuchel hat zusammen mit fünf weiteren Mitgliedern das als Start-up organisierte Unternehmen gegründet. Wenn die 38-Jährige den Wochenmarkt durchstöbert, hält sie gezielt Ausschau nach Bananen mit Druckstellen oder Salat mit einigen nicht mehr so in der Kraft stehenden Blättern und nimmt diese mit. Zuhause landen die Zutaten im Familienessen, Zutaten, die am Folgetag vermutlich nicht mehr im Regal gelegen hätten.

Ab Oktober wird verstärkt nach entsprechenden Lebensmitteln Ausschau gehalten, die noch unbedenklich genießbar sind, aber höchstwahrscheinlich im Müll landen würden. Ab Oktober öffnet nämlich in Berlin das „Restlos Glücklich“ Restaurant. Inspirieren ließen sich die Gründer unter anderem vom „Rub og Stub“ (restlos alles) Restaurant aus Dänemark. Im Familienurlaub probierte Anette Keuchel das Essen und schaute sich auch die Örtlichkeit genauer an. Schon nach kurzer Zeit war die Unternehmerin von dem Konzept begeistert und brachte es nach Deutschland. Ab dem 18. August starten die sechs Unternehmer eine Crowdfunding-Kampagne, um nötiges Kleingeld für den Start des Restaurants einzusammeln. Im Oktober soll es dann losgehen.


Einer aktuellen Statistik der Naturschutzorganisation WWF zufolge werden im Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland weggeworfen. Zehn Millionen Tonnen seien dabei noch genießbar, mahnt die Organisation. Zehn Millionen Tonnen Lebensmittel, die in einem Restaurant also noch hätten verarbeitet werden können. Zehn Millionen Tonnen Lebensmittel die Restlos Glücklich kostenlos zur Verfügung gestellt werden könnten um Menschen noch satt machen zu können.

So viele Menschen wie möglich sollen involviert werden

Bei Restlos Glücklich wird es jeden Tag eine neue Speisekarte geben, erklärt die Gründerin. Je nachdem welche überschüssigen Lebensmittel am Vortag bei den Bauern oder Supermärkten anfallen, werden die Mahlzeiten angepasst. Freiwillige Helfer betreiben in Eigenregie die Lebensmittel-Akquise.

Das Gründerteam und auch die Helfer drumherum arbeiten zunächst ehrenamtlich. Restlos Glücklich möchten so viele Menschen wie möglich in das Projekt mit einbeziehen, Menschen die es gern machen. In der Küche sollen dann jedoch zwei gute Köche werkeln und sich frei entfalten können. „Der Gewinn, den der Laden eines Tages hoffentlich abwirft, soll in Bildungsprojekte zum Thema Ernährung investiert werden“, so Keuchel gegenüber der NOZ.

Das Restlos Glücklich Restaurant soll keinesfalls in Konkurrenz zur Berliner Tafel treten. Ganz im Gegenteil, es wird dabei der Austausch von Konzepten und Esswaren angestrebt, versprechen die Gründer. Tafel-Vorsitzende Sabine Werth ist bereits guter Dinger und glaubt an den Erfolg des Non-Profit-Restaurants. Werth zufolge besteht zudem auch dringender Bedarf.

Wir sind gespannt wie erfolgreich die Crowdfunding-Kampagne wird und drücken den jungen Unternehmern die Daumen. Weitere Informationen zu dem Projekt findet ihr auf der Website von Restlos Glücklich Berlin.

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