Künstliche Intelligenz sorgte dieses Jahr bereits für die ein oder andere spektakuläre Überschrift. Weltweit arbeiten Forscher und Unternehmen an Projekten, die die künstliche Intelligenz vorantreiben. Dabei liegt die Konzentration aber zumeist auf der „logischen“ Intelligenz, also mathematischen Fähigkeiten und rationalen Entscheidungen. Ein Team von Wissenschaftlern des National Research Nuclear University Moscow Engineering Physics Institute (NRNU MEPhI) forscht aber in eine andere Richtung: Die Künstliche Intelligenz des Teams verfügt neben den logischen Fähigkeiten auch über einen emotionalen Intellekt.


Gehirnareale
Foto: brain lobes, Allan Ajifo, Flickr, CC BY-SA 2.0

Menschliche Emotionen in der KI

Das Team nennt seine KI “Virtual Actor” (VA) soll in der Lage sein, menschliche Emotionen zu verstehen. Damit begeben sich die Wissenschaftler in einen Bereich, der anderen KI-Projekten bisher relativ fern geblieben ist. Weder Googles DeepDream noch AlphaGo oder IBMs Watson erfassen die oft wenig voraussagbaren Elemente menschlicher Emotionen.

Die „Virtual Actor“-Technologie soll frühestens in 18 Monaten bereit sein, aber die Entwickler gaben bereits jetzt erste Einsichten in die Fähigkeiten des Programms. VA wird in der Lage sein, den Kontext von Ereignissen zu erfassen und den Ausgang von Szenarien mit menschlichen Teilnehmern vorauszusagen. VA soll außerdem in der Lage sein, die Rolle von menschlichen Akteuren in Diskussionen einzunehmen und realistisch auszufüllen.


Erster Test als Videospiel

Biological solutions are in many respects superior to artificial solutions in terms of their adaptability, learning ability, resistance to unexpected interventions, and so on, and we would like to model these principles on the computer„, erklärt Alexei Samsonovich, Professor im Kybernetik-Bereich der MEPhI, das Projekt.

Der erste praktische Test von VA soll im Rahmen eines einfachen Videospiels stattfinden, das emotionale Verbindungen simuliert. Das Ziel dabei ist, dass die teilnehmenden Spieler den Unterschied zwischen einem menschlichen Spieler und VA nicht mehr erkennen können.

KI wird menschlicher

Je nachdem, wie viel Erfolg das russische Team mit VA haben wird, wäre die Folge eine „Vermenschlichung“ von Künstlicher Intelligenz. Auch wenn das letztlich wohl das Ziel ist, auf den die Entwicklung von KI hinsteuert, hat die Vorstellung, eines Tages nicht mehr zwischen KI und Menschen unterscheiden zu können, fast etwas Erschreckendes. Allerdings dürfte es auch noch eine Weile dauern, bis es soweit ist. Emotionen künstlich zu erfassen und zu simulieren ist ein Bereich, der bisher noch nicht viel erforscht wurde und in dem die Wissenschaft noch eine Menge Arbeit wird leisten müssen, schließlich haben auch Neurowissenschaftler noch Schwierigkeiten damit, die Komplexität der Vorgänge im Gehirn im Zusammenhang mit menschlichen Emotionen zu verstehen. Die Entwicklung von KI, die Emotionen erfassen und verstehen kann, ist daher eine große Aufgabe.

Unklare Methoden mit unklarem Ergebnis

Für die Entwicklung einer derartigen KI gibt es zwei mögliche Herangehensweise. Die „bottom-up“-Methode verfolgt praktisch das Ziel, das menschliche Gehirn virtuell „nachzubauen“. Dazu wäre eine Serie künstlicher neuronaler Netze erforderlich. Das russische Team nutzt aber eine andere Methode, bei der neuronale Netze mit einem „höheren Level“ von kognitiven Modellen kombiniert wird.

Diese Methode ist ungefähr so unklar wie sie sich anhört – selbst die Wissenschaftler scheinen noch nicht genau zu wissen, wie sie ihr Ziel erreichen wollen. Dreh- und Angelpunkt ihrer Herangehensweise ist jedoch der Standpunkt, dass die aktuell verfügbare Rechenkraft ausreicht, um menschliche Intelligenz zu simulieren und biologisch realistische neuronale Netze daher nicht notwendig sind. Ob sie damit Recht behalten, wird sich jedoch herausstellen müssen.

via IFLScience

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