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Quecksilberausstoß: Preiswerte Technik verringert die giftigen Emissionen von Kohlekraftwerken drastisch

Aus den Sondermüllverbrennungsanlagen in Krefeld und Dormagen entweicht fast kein Quecksilber, ebenso wenig aus den Klärschlammverbrennungsanlagen in Bottrop und Karlsruhe. Das liegt an einer Technik, die Bernhard W. Vosteen bereits vor 15 Jahren vorstellte. Zu dieser Zeit war er Ingenieur bei Currenta, einem Tochterunternehmen von Bayer und Lanxess. Die meisten Kohlekraftwerke, vor allem die, die Braunkohle verfeuern, nutzen diese Technik nicht. Aus diesem Grund emittieren sie zwei Drittel der Gesamtmenge an Quecksilber, die weltweit in die Atmosphäre entweicht. Insgesamt sind es rund 1800 Tonnen pro Jahr.

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Sieben Tonnen Quecksilber in Deutschland

Deutsche Kraftwerke sind mit sieben Tonnen dabei. Darauf machte jetzt noch einmal das Institut für Ökologie und Politik in Hamburg aufmerksam. Es hatte im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion eine Studie über die Quecksilberemissionen erstellt. EU-weit ist Deutschland mit den Werten sogar Spitzenreiter. Das bei Zimmertemperatur flüssige Metall ist ein Nervengift, das Lähmungen hervorrufen kann. In Japan starben daran rund 3000 Menschen, nachdem ein Konzern eine giftige Quecksilberverbindung in das Meer geleitet hatte. Das Gift sammelte sich in Speisefischen.

Vosteen, der heute ein Beratungsunternehmen in Köln führt, hatte Verbrennungsvorgänge studiert und herausgefunden, dass das in der Kohle enthaltene Quecksilber im Kraftwerkskessel in metallischer Form entweicht. Im Abgas reagiert ein Teil davon mit Chlor, das ebenfalls aus der Kohle stammt. Quecksilberchlorid wird in der Rauchgaswäsche abgeschieden und landet im Gips. Ein Teil des Quecksilbers bleibt dampfförmig erhalten und entweicht mit den gereinigten Abgasen in die Luft.

Brom ist effektiver als Chlor

In Experimenten fand der Ingenieur heraus, dass Quecksilber mit Brom viel schneller und intensiver reagiert. Dabei entsteht Quecksilberbromid, das ebenfalls im Gips der Entschwefelungsanlage landet. Als Lösung schlug er vor, den Brennstoff nach dem Mahlvorgang mit einer Bromlösung zu besprühen. Dann entginge praktisch kein Quecksilberatom der Umwandlung in ein Bromid. Tatsächlich ergaben Messungen, dass bis zu 99,99 Prozent des Giftes zurückgehalten wurden.

Stromkosten kaum höher

Der deutsche Kraftwerksbauer und Betreiber Steag und der französische Konzern Alstom haben die Quecksilberabscheidung bereits mehrfach realisiert, vor allem in den Vereinigten Staaten, in denen strengere Grenzwerte gelten. Die Technik lässt sich relativ leicht an den Mann bringen, weil sie die Stromkosten kaum in die Höhe treibt. Pro Kilowattstunde sind es weniger als ein Zehntel Eurocent. Bei Braunkohlekraftwerken wird es allerdings mehr sein. In Deutschland sollen die Grenzwerte ebenfalls gesenkt werden, versprach Bundesumweltministerin Barbara Hendricks nach dem Bekanntwerden der Studie. Selbst nach den US-Auflagen für den Quecksilberausstoß bei Braunkohlekraftwerken, würden alle der über 50 Werke hierzulande scheitern und müsten sofort vom Netz genommen werden. Es besteht also dringlicher Handlungsbedarf.

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