Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit. Nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums leiden in Deutschland circa 4 Millionen Menschen unter depressiven Störungen. Die Zahl der Erkrankungen ist zudem in den letzten Jahren konstant angestiegen. Genaue Zahlen sind allerdings nicht verfügbar, weil die Dunkelziffer der Erkrankungen sehr hoch ist. Dies hängt mit der Tatsache zusammen, dass die Diagnose einer Depression bisher nur gestellt werden kann, wenn der Patient über die entsprechenden Symptome berichtet. Ein unmittelbarer Nachweis der Krankheit durch einen Test ist momentan noch nicht möglich.

Nun allerdings hat ein Forschungsteam der Nothwestern University einen Bluttest entwickelt, der zur Diagnose von Depressionen geeignet scheint. Während der Studie untersuchten die Forscher das Blut von 64 Probanden, wovon die Hälfte unter Depressionen litt. Dabei entdeckten sie insgesamt neun Blutmarker, die bei allen Erkrankten signifikant von der Kontrollgruppe abwichen. Eine Untersuchung dieser Blutmarker scheint daher eine unabhängige und neutrale Diagnose der Krankheit zu ermöglichen. Eine flächendeckende Nutzung dieser Tests könnte die Zahl der unentdeckten Depressionen enorm verringern.


Bluttest kann auch den Erfolg der Behandlung überprüfen

Zudem könnte der Test auch helfen, die Behandlungserfolge genauer zu überwachen. Bisher ist es suizidgefährdeten Personen oft möglich ihre Symptome auch gegenüber dem behandelnden Arzt zu verbergen. Trauriges Beispiel dafür war der tragische Tod des Torhüters Robert Enke. Dieser behielt seine Selbstmordpläne für sich und täuschte seinen Therapeuten und sein Umfeld bewusst über seinen wahren Zustand. In seinem Abschiedsbrief entschuldigte er sich explizit für diese Täuschung. Mit Hilfe des neuen Bluttests könnte es gelingen, solche Fälle in Zukunft frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig behandlungstechnisch einzugreifen. Denn die von den Forschern durchgeführte Studie zeigte auch, dass sich sechs der Blutmarker, im Falle einer erfolgreichen Behandlung, wieder dem Normalwert angleichen.

Ergebnisse der Studie müssen noch verifiziert werden

Drei der herausgefilterten Blutmarker allerdings unterschieden sich auch nach erfolgreicher Therapie noch von der Kontrollgruppe. Die Forscher untersuchen nun, ob es möglich ist mit Hilfe dieser Marker Personen mit einer besonderen Anfälligkeit für Depressionen, schon vor Ausbruch der Krankheit, zu identifizieren. Zunächst allerdings soll die Untersuchung ausgeweitet und mit einer größeren Anzahl Probanden wiederholt werden, um die Ergebnisse zu verifizieren. Bestätigen sich die bisherigen Erkenntnisse, könnte der Bluttest auf lange Sicht helfen, die Zahl der Selbstmorde aufgrund von Depressionen erheblich zu verringern.


Allerdings stellen sich bei einem solchen Test immer auch ethische Fragen: Können Personen gezwungen werden sich auf eine mögliche Anfälligkeit für Depressionen untersuchen zu lassen? Und wenn ja: Müssen sie dies ihrem Arbeitgeber offenlegen? Können beispielsweise Fluglinien darauf bestehen, dass ihre Piloten per Bluttest nachweisen, dass sie nicht unter Depressionen leiden? Diese und andere Fragen bedürften einer gesellschaftlichen Diskussion und letztlich wohl einer gesetzlichen Regelung. Für Ärzte und Therapeuten würden sich die Diagnose und die Behandlung von Depressionen aber in jedem Fall entscheidend vereinfachen, was die Behandlungschancen vieler Patienten signifikant verbessern dürfte.

Quelle: Nature

1 Kommentar

  1. leonie

    24. September 2014 at 12:00

    Das ist ja hochinteressant. Wenn sich wirklich ein kausaler Zusammenhang zwischen Blutmarkern und Erkrankungen bzw Veranlagung herausstellt könnte tatsächlich vielen Menschen zu mehr Lebensqualität verholfen werden.

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