Der deutsche Förster Peter Wohlleben hat bereits mehrere Bücher geschrieben, in »Das geheime Leben der Bäume« erzählt er, was hinter den Kulissen des Waldes vor sich geht. Der Baumfreund ist ein leidenschaftlicher Waldhüter, er führt seinen Lesern vor allem eines vor Augen: dass auch Pflanzen fühlende Wesen sind, die kommunizieren und Schmerzen empfinden.


Naturbelassener Wald bildet ein Wood Wide Web / Foto: Yvonne Salmen

Das Wood Wide Web bildet ein unterirdisches Netzwerk

Peter Wohlleben übt sein Försteramt in der Gemeinde Hümmel in Rheinland-Pfalz aus. Er erzählt davon, dass Buchen einem in der Nähe befindlichen Baumstumpf jahrelang Zuckerlösung zuführen, damit dieser nicht abstirbt. Insgesamt sind Bäume sehr viel stärker miteinander vernetzt als angenommen, das »Wood Wide Web« bildet ein unterirdisches Netzwerk, von dem alle Teilnehmer profitieren. Das oben genannte Buch avancierte im Jahr 2015 zum Spiegel-Bestseller und inspirierte zahlreiche Naturfreunde aus aller Welt zu einem gefühlvolleren Umgang mit ihren blättrigen Mitgeschöpfen. Die New York Times bezeichnete den Schriftsteller gar als eine »Sensation«! Wir erfahren von ihm, dass Eichen, die von Insekten attackiert werden, giftige Gerbstoffe in ihre Blätter leiten und zugleich ihre Artgenossen über das Wurzelwerk warnen. Ein Baum kann auch durchaus ein Burnout erleiden, wenn er zu viel Power ins Höhenwachstum investiert hat.

In dieser Reportage lernt ihr Peter Wohlleben persönlich kennen


Nur noch 0,3 % der Waldfläche sind in Deutschland noch »Urwald«

Wohlleben merkt an, dass es echten »Urwald« in Deutschland kaum noch gibt, dieser ursprüngliche Baumbestand wurde auf 0,3 Prozent der bewaldeten Fläche zurückgedrängt. In Brasilien gibt es immerhin noch 80 % Urwald, bei uns aber schießen die »Mastschweine« unter den Bäumen, die Fichten, überall dort aus dem Boden, wo eigentlich Laubbäume stehen sollten. Der Förster schlägt vor, mindestens 15 % der Waldfläche als natürliche Ökosysteme zu erhalten, dabei den Baumbestand alter Zeiten nachzuahmen und so auch die komplizierten Netzwerke dieser Lebewesen zu schützen. Fichten leiden ohnehin unter dem für sie zu trockenem und zu warmem Klima, sie knicken häufiger um, weil sie eigentlich weiter im Norden beheimatet sind.

Der Wald bringt Geld ein, ohne dass Holz geschlagen werden muss

Ob diese Art des Baumschutzes auch rentabel ist? Erstaunlicherweise ja! Während Wohllebens Forst vor seinem Arbeitsantritt jedes Jahr 75.000 Euro Minus machte, steht er jetzt mit 300.000 Euro in den schwarzen Zahlen. Der Wald bringt Geld ein, ohne dass dafür Holz geschlagen werden muss: Die natürliche Oase dient als Kindergarten, Meditationsraum und Sanatorium. Hier werden Blockhütten für Manager errichtet und umweltbewusste Unternehmen spenden für artgerechte Baumhaltung. Auch einen Friedwald gibt es, so schließt sich der Lebenskreis. Wohllebens 16. Buch, »Das Seelenleben der Tiere«, ist auch bereits erschienen: Welche Geheimnisse es wohl noch zu entdecken gibt?

Quelle: nzz.ch

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