Wer im Internet surft und einkauft, der ist nicht anonym unterwegs. Hat sich ein Nutzer vor kurzem ein Handy in einem Online-Shop angeschaut, so bekommt er die nächste Zeit auf mehreren Webseiten Werbung für Handys präsentiert. In Fachkreisen nennt man so etwas Retargeting. Möchte der Nutzer das vermeiden, geht das nur mit Maßnahmen, die den durchschnittlichen User überfordern dürften. Die App FindFace könnte solche Methoden auch bald beim Einkaufen in der realen Welt ermöglichen: Angeblich benötigt sie lediglich ein Foto, um Menschen in sozialen Netzwerken wiederzufinden.


findface

FaceFinder identifiziert Menschen in sozialen Netzwerken

Bisher beschränkt sich die App von Alexander Kabakov, einem 29-jährigen Russen, auf das russische Facebook-Äquivalent VK. Der Nutzer kann ein Foto hochladen, dass er von einem Menschen geschossen hat. Die App findet dann unter 200 Millionen Nutzern die entsprechende Person, vorausgesetzt, diese hat Fotos auf seinem Account hochgeladen. Die Macher bewerben ihre App zu Datingzwecken: Anhand nur eines Fotos lassen sich Menschen wiederfinden, die man auf der Straße getroffen hat. Ob diese Menschen überhaupt gefunden werden wollen wird jedoch nicht gefragt. Darüber hinaus öffnet die App dem Missbrauch Tür und Tor: Beispielsweise nutzten Nutzer FaceFinder, um den privaten Account von Darstellerinnen in Pornos wiederzufinden und deren Freunde auf die Filme hinzuweisen.


Die Firma Kapersky, die Lösungen für Computersicherheit verkauft, hat das System getestet und erkannte mit Fotos in guter Qualität neun von 10 Personen. Bei Fotos mit schlechter Qualität funktionierte es nicht ganz so gut, aber dennoch ist der Vorgang erschreckend.

Algorithmus besser als der von Google

Der Algorithmus hinter FaceFind nennt sich FaceN und erkennt laut den Machern der App Gesichter mit Hilfe von maschinellem Lernen. Dank dieser Technik kann er auch Personen erkennen, nachdem sie eine Brille aufgesetzt oder stark verändertes Makeup aufgetragen haben. Bei einem Wettbewerb der University of Washington erkannte der Algorithmus rund 70 Prozent der Gesichter und ließ dabei auch die Konkurrenz von Google hinter sich. Der Algorithmus funktioniert jedoch nicht mit Facebook, was laut den Programmierern daran liegt, dass Facebook Bilder anders speichert als die russische Entsprechung VK.

Die Anwendungsmöglichkeiten solcher Algorithmen sind enorm. Neben personalisierter Werbung könnte FaceN auch zur Fahndung mittels Überwachungskameras genutzt werden. Auch die Nutzung durch Geheimdienste wäre denkbar. Als der Guardian Kabakov fragte, ob er sich eine Zusammenarbeit mit dem FSB, dem russischen Geheimdienst, vorstellen könnte, antwortete dieser, dass er sich selbstverständlich auch ein Angebot vom FSB anhören würde, wenn ihm eines unterbreitet würde.

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