Über das bedingungslose Grundeinkommen wird bereits seit einigen Jahren verstärkt diskutiert. Galt es zunächst als Utopie von einigen Träumern, wird der Ansatz inzwischen auch von immer mehr Wissenschaftlern ernst genommen. Doch die Wirtschaftswissenschaften haben ihre ganz eigenen Gesetze. Immer wieder zeigte sich in der Vergangenheit: Auch die besten theoretischen Konzepte hatten in der Praxis später Auswirkungen, die zuvor nicht bedacht worden waren. Dies bedeutet: Um Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens besser abschätzen zu können, muss es unter realen Bedingungen getestet werden. Dies geschieht aktuell in Finnland – und zukünftig auch in vier schottischen Städten. Die Behörden in Glasgow, Edinburgh, Fife, and North Ayrshire haben nun bis März Zeit, konkrete Pläne einzureichen, wie das bedingungslose Grundeinkommen lokal ausgestaltet werden soll.


Ein Fischkutter in den Gewässern Schottlands. Foto: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=131911

Die Erste Ministerin gehört zu den Unterstützerinnen des Projekts

Absehbar ist bereits, dass zunächst nicht alle Einwohner die monatliche Zahlung erhalten werden, sondern lediglich eine ausgewählte Gruppe an Personen. Später könnte das Konzept dann ausgeweitet werden. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich in der Testphase als sinnvoll erweist – was keineswegs garantiert ist. „Es mag sich herausstellen, dass das nicht die richtige Antwort ist und es mag sich zeigen, dass es nicht umsetzbar ist. Aber in der sich rapide ändernden Arbeitswelt, ist es von enormer Bedeutung, dass wir uns gegenüber neuen Wegen, mit denen wir Personen helfen können, vollständig an der neuen Wirtschaftswelt teilzunehmen, aufgeschlossen zeigen“, erklärte beispielsweise Nicola Sturgeon, Regierungschefin in Schottland. Es könnte also durchaus sein, dass schottische Städte und Gemeinden zukünftig auch noch andere innovative Ansätze ausprobieren werden.

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Zuletzt aktualisiert am 18.01.2018

Roboter könnten zahlreiche Arbeitsplätze vernichten

Sturgeon spricht aber noch einen weiteren wichtigen Punkt an: Die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehende Umwälzung unseres Wirtschaftssystems. Bisher nämlich basiert die Versorgung der meisten Einwohner darauf, dass sie arbeiten gehen und dafür einen Lohn erhalten. Studien prognostizieren aber bereits jetzt, dass zukünftig jeder zweite Mitarbeiter seinen Job an einen Roboter verlieren könnte. Unklar ist hingegen, ob es gelingen kann, ausreichend neue Arbeitsplätze für menschliche Mitarbeiter zu schaffen. Das bedingungslose Grundeinkommen könnte einen Ausweg aus dieser Problematik bieten – und hat daher nicht zuletzt im Silicon Valley zahlreiche prominente Unterstützer. Die Experimente in Schottland könnten Aufschluss darüber geben, ob es sich tatsächlich um ein realistisches Konzept handelt.

Via: Inhabitat


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