Hinweise darauf, dass es eine genetische Ursache für Homosexualität gibt, existieren schon länger. Nun haben Forscher einen weiteren Anhaltspunkt für diese Vermutung gefunden: Sie identifizierten eine Genvariante, die möglicherweise dazu beiträgt, die sexuelle Orientierung festzulegen. Diese Genvariante tritt bei homosexuellen Männern häufiger auf als bei heterosexuellen. Um einen wirklichen Beweis handelt es sich jedoch auch weiterhin nicht.


Homosexualität
Foto: Love, Andrea, Flickr, CC BY-SA 2.0

Erste große Vergleichsstudie

Wie auch immer die sexuelle Orientierung entsteht, es gilt als allgemein anerkannt, dass es sich nicht um eine frei wählbare Tatsache handelt. Zwar spricht vieles dafür, dass auch psychologische Faktoren sowie das Umfeld eine Rolle bei der Ausprägung der sexuellen Orientierung spielen, aber es gibt nun vermehrt Hinweise darauf, dass es eine genetische Komponente gibt, die mitbestimmt, ob man sich zu Männern, Frauen oder zu beidem hingezogen fühlt. Der aktuelle Forschungsstand ist, dass die genetische Komponente etwa zu 30 bis 40 Prozent an der Ausbildung der sexuellen Orientierung beteiligt ist. Um welche Genvarianten es sich dabei handelt, ist allerdings bisher nicht bekannt. „war wurden einige Genvarianten auf dem Chromosom 8 entdeckt, die zur Entwicklung der sexuellen Orientierung bei Männern beitragen könnten, spezifische Gene für Homosexualität wurden aber bisher nicht identifiziert“, so Alan Sanders und seine Kollegen von der University of Chicago in der aktuellen Studie.

Das Team von Sanders hat die erste genomweite Assoziationsstudie (GWAS) durchgeführt und nach Genmarken für Homosexualität bei Männern gesucht. An der Studie nahmen 1077 homosexuelle und 1231 heterosexuelle Männer teil. Die Forscher verglichen das Genom der beiden Gruppen miteinander.


Forscher entdecken Unterschieden an zwei Genorten

Dabei fiel auf, dass es in zwei Genregionen Unterschiede zwischen homo- und heterosexuellen Männern gibt. So fanden die Forscher Unterschiede auf dem Chromosom 13 zwischen den Genen SLITRK5 und SLITRK6. Die SLITRK-Genfamilie ist wichtig für die neuronale Entwicklung und gilt als potentiell relevant für die sexuelle Orientierung. SLTRK6 ist ein Gen, das vor allem bei der Ausbildung des Zwischenhirns aktiv ist. In dieser Hirnregion haben Forscher bereits vor einiger Zeit wesentliche Unterschiede in der Größe und Zelldichte bestimmter Areale zwischen homosexuellen und heterosexuellen Männern entdeckt. Es erscheint daher durchaus nachvollziehbar, dass die entdeckte Genvariante in der Nähe dieses Gens liegt.

Sehr spekulative Ergebnisse

Der zweite mögliche genetische Unterschied wurde auf dem Chromosom 14 entdeckt. Der verdächtige Genort liegt auf einem Gen, das die Baupläne für einen Hormonrezeptor der Schilddrüse codiert. Das entsprechende Gen ist allerdings auch in verschiedenen Hirnarealen aktiv. Frühere Studien kamen bereits zu dem Ergebnis, dass es eine mögliche Verbindung zwischen bestimmten Schilddrüsenstörungen und Homosexualität geben könnte.

Die entdeckten Zusammenhänge stehen allerdings auf einer sehr spekulativen Basis. Für gesicherte Erkenntnisse reiche die Zahl der Probanden nicht aus, so die Forscher. GWAS-Studien erfordern eine große Zahl Probanden, vor allem, wenn sie komplexe Merkmale untersuchen. „Das Ziel unserer Studie war es, nach der genetischen Basis für die männliche sexuelle Orientierung zu suchen. Was wir jetzt mit unserer genomweiten Assoziationsstudie erreicht haben, ist immerhin ein erster Schritt. Wir hoffen nun, dass weitere, umfangreichere Studien die genetischen Zusammenhänge noch weiter beleuchten werden“, so Alan Sanders.

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