Im Zuge der fortschreitenden Technisierung werden immer mehr Jobs von Maschinen bzw. Computersystemen ersetzt. Diese Entwicklung ist auch unter dem Stichwort “Industrie 4.0” bekannt. Viele Jobs, die früher von Menschen gemacht wurden, werden nun von Maschinen ausgefüllt. Doch wie sieht es mit der Dienstleistungsbranche – speziell die juristische – aus? Kann ein Anwalt von einem Computer ersetzt werden?


Law Gavel
Foto: Justice Gavel, Tori Rector, Flickr, CC BY-SA 2.0

Sind Computeranwälte die Zukunft?

Vor ein paar Tagen stellte die Süddeutsche Zeitung ein Online-Tool zur Verfügung, das anzeigt, wie wahrscheinlich es für bestimmte Berufsfelder ist, dass einzelne Jobs von einem Computer ersetzt werden. Für Anwälte liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 3,5 Prozent. Man könnte also davon ausgehen, dass der Berufsstand sicher ist. Bei Rechtsanwaltsfachangestellten, also der Seele des juristischen Backoffice, sind es schon 41 Prozent. Überraschend dürfte das Ergebnis für Richter sein: Die Software geht mit 41-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon aus, dass dieser Beruf durch die Technisierung ersetzt wird.

Auch wenn es seltsam klingt: Die Überlegung, auch im Dienstleistungssektor auf Computer zurückzugreifen, liegt nicht fern. Die englische Kanzleiberatung Jomati Consultants stellte die These auf, dass Anwälte bis zum Jahr 2030 durch Roboter ersetzt werden können. Ein ähnliches Bild zeichnet Richard Susskind in “Tomorrow’s Lawyers”


Allerdings fehlt es solchen Aussagen regelmäßig an einer funktionalen Definition von künstlicher Intelligenz. Außerdem ist die Betrachtung juristischer Arbeit in diesen Texten oft recht pauschal geworden.

Künstliche Intelligenz hat Grenzen

Dass es heute schon Computerprogramme gibt, die juristische Aufgaben übernehmen können, ist wohl unstreitig. So können Computer große Datenmengen schneller und günstiger als jeder Mensch durchsuchen und nach bestimmten Kriterien filtern. Das hat aber nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun. Auch weitere Entwicklungen wie sprachgesteuerte Jura-Datenbanken und ähnliches werden den Menschen langfristig nicht ersetzen können.

Computer können Wissen besser speichern und durchsuchen, als jeder Mensch. Aber künstliche Intelligenz hat – heute und wohl auch in der Zukunft – ihre Grenzen. Sie verfügt über keine Instinkte, kann also nicht intuitiv und auf der Basis von Erfahrungen handeln. Sie ist nicht emphatisch, es wird ihr also schwer fallen, zu ermitteln, was ein Mandant wirklich will und erwartet. In der Juristerei geht es – auch in der Praxis – darum, Menschen zu überzeugen. Es geht um verschiedene Sichtweisen auf ein Problem, um gute und zum Teil auch kreative Argumentation. Das wird so schnell kein Computer übernehmen können.

Computer machen auch vor der Juristerei nicht halt

Allerdings wird die Technisierung auch vor den Juristen nicht halt machen. Das kann man heute schon sehen. Urteilsdatenbanken werfen sekundenschnell die benötigten Informationen aus, und viele Kanzleien haben die Papierakte durch eine elektronische ersetzt. In einigen Bereichen hinkt die Justiz noch hinterher. So müssen Schriftsätze immer noch schriftlich an Gerichte übermittelt werden, eine elektronische Übermittlung ist nicht vorgesehen.

Aber dennoch steht fest: Anwälte wird es noch in 30 Jahren geben. Ihre Arbeit wird mit Sicherheit – so wie ziemlich jeder Beruf – anders aussehen. Aber durch Computer können sie so schnell nicht ersetzt werden.

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