Tschernobyl ist auch fast 30 Jahre nach der Katastrophe ein Schlagwort, bei dem jeder weiß, worum es geht. Niemals hätte damals ahnen können, dass es zu einer Tragödie dieses Ausmaßes hätte kommen können. Doch nicht nur die Menschen, Tiere und Bäume sind davon betroffen, auch Insekten, Bakterien und Pilze haben Schaden genommen, wie eine Studie von Timothy Mousseau zeigt.


Tschernobyl Reaktor
Foto: Tschernobyl Reaktor; Urheber Sven Teschke CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Der Einfluss der Strahlung

Bisher zeigten Untersuchungen, dass Vögel in den verseuchten Gebieten um Tschernobyl signifikant kleinere Gehirne haben, die Bäume wachsen langsamer und es leben dort weniger Spinnen und Insekten (wie Bienen und Schmetterlinge). Die Studie zeigt zusätzlich, dass die Strahlung auch auf die für den Abbau toten Pflanzenmaterials zuständigen Organismen einen Einfluss hat. Diese sind zuständig, organisches Material (z.B. tote Bäume und Blätter) zu zersetzen und in die Erde zurückzuführen. Also die Nährstoffe wieder für neues Leben verfügbar zu machen. Dies ist ein so elementarer Prozess, dass die Autoren der Studie befürchten, dass es zu einem Problem im gesamten Ökosystem kommen könnte.

Das Team entschied sich dieser Frage nach zu gehen, nachdem sie eine ungewöhnliche Beobachtung gemacht hatten. In den verstrahlten Gebieten sammelt sich ungewöhnlich viel Pflanzenabfall an, der nicht verrottet. Darunter Baumstämme, die auch nach über 15-20 Jahren erhalten sind (normalerweise wären diese nach zehn Jahren nur noch Sägemehl).


Bakterien und Pilze geben auf

Um den Einfluss der Strahlung auf diesen Prozess zu überprüfen, haben sie über 600 Beutel gefüllt mit Pflanzenmaterial ( Eiche, Ahorn, Birke oder Pinie) in verschieden verstrahlten Gebieten verteilt – von keiner bis sehr stark. Die eine Hälfte der Beutel bestand dabei aus einem sehr feinen Gewebe, ähnlich einer Damenstrumpfhose, um sicherzugehen, dass keine Insekten in die Proben gelangen. Nach einem Jahr Wartezeit sammelten sie die Proben ein und überprüften den Gewichtsverlust.

Es stellte sich heraus, dass in unbestrahlten Gebieten 70-90 Prozent der Blätter verrottet waren, in bestrahlten Gebieten waren nur 40 % verrottet. Durch die Vergleichsproben aus den Strumpfhosenbeuteln konnten sie feststellen, dass Insekten eine signifikante Rolle bei der Zersetzung spielen, Bakterien und Pilze allerdings noch wichtiger sind. Auf Grund der Anzahl der Proben konnten Effekte wie Feuchtigkeit, Temperatur oder Bodenbeschaffenheit ausgeschlossen werden – der Unterschied liegt einzig an der Strahlung.

Die Angst vor dem Feuer

Dies könnte eventuell auch der Grund sein, warum die Bäume langsamer wachsen – es werden nicht mehr ausreichend Nährstoffe zurückgeführt. Ein weiteres Problem, was sich daraus ergibt ist, dass die Wälder um Tschernobyl Waldbrand-gefährdet sind. Großfeuer wären in der Lage, verstrahltes Material in die Luft zu bringen und zu verbreiten und die große Menge an Laub wäre ein guter Brandherd. Unter Experten wächst die Befürchtung, dass in den nächsten Jahren ein Großbrand nicht auszuschließen ist. Leider existiert bis heute kein konkreter Plan, um das Problem schnell lösen zu können. So können nur strenge Kontrollen und Vorsicht Abhilfe schaffen.

Quelle: Smithsonianmag

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