Dass Digitalisierung in Deutschland in vielen Bereichen ein eher schwieriges Thema ist, ist relativ unbestritten. Der Gesundheitssektor macht hierbei keine große Ausnahme. Mit dem digitalen Impfpass sowie Rezepten, die direkt von Arztpraxen auf die Smartphones der Patienten geladen werden können, stehen in den nächsten Monaten diesbezüglich aber zwei große Entwicklungen an.


Digitaler Impfpass ist bald unverzichtbar

Der deutsche Impfpass ist seit Jahrzehnten unverändert. Bei Geburt erhält man das kleine Heftchen aus gelbem Papier, das dann über das komplette Leben zur Dokumentierung von Impfungen verwendet wird. Dies war lange auch kein Problem. In Zeiten, in denen der Impfpass als Nachweis einer erfolgten Impfung gegen SARS-CoV-2 dient und damit regelmäßig benutzt wird, stellen sich dabei aber zwei Probleme. Zum einen ist der Papier-Ausweis nicht unbedingt dafür gemacht, ständig mitgeführt zu werden, und zum anderen gibt es bereits jetzt einen florierenden Markt für gefälschte Impfausweise, die von Impfunwilligen oder Menschen, denen noch kein Impfangebot gemacht werden konnte, genutzt werden.


Um den Nachweis der Corona-Impfung zu erleichtern, hat die EU die Einführung eines digitalen Impfausweises beschlossen. In Deutschland wurde ein von IBM angeführtes Konsortium mit der Umsetzung beauftragt. Und bereits Ende Juni soll es soweit sein. Der digitale Impfnachweis kann dann in einer extra-App namens Covpass geführt werden. Integrationen in andere Apps sind möglich und werden unter anderem in der bereits etablierten Corona-Warnapp durchgeführt werden. Eingetragen wird die Impfung von den Impfzentren oder dem impfenden Arzt. Nachträgliche Eintragungen sollen entweder durch Schreiben an die bereits geimpften Menschen oder durch Hausärzte und Apotheken ermöglicht werden.

Technisch funktioniert der Nachweis dann über einen QR-Code, der von einer seperaten Prüfapp verifiziert werden kann.

Experten vom Chaos Computer Club (CCC) warnten bereits vor möglichen Fälschungen und einer vorhandenen Missbrauchsgefahr. In einem Statement führte der CCC ins Feld, dass einfache Täuschungsszenarien auch mit digitalen Lösungen einfach umsetzbar seien und dass das kontrollierende Personal in vielen Fällen wahrscheinlich nicht in der Lage oder motiviert sei, solche Fälschungen zu erkennen.

Aktuell soll der digitale Impfpass nur für die Impfung gegen SARS-CoV-2 eingesetzt werden. Ob geplant ist, die Möglichkeit zu schaffen, auch andere Impfungen in Zukunft digital zu dokumentieren, ist nicht bekannt.

e-Rezepte: Ab Juli Rezepte auf dem Smartphone

Ein weiterer Bereich, in dem uns in naher Zukunft ein Schritt in die Digitalisierung bevorsteht, ist die Einführung digitaler Rezepte. Laut der Projektgesellschaft Gematik soll die App für das e-Rezept ab dem 1. Juli für alle mobilen Betriebssysteme bereitstehen. In einer Testphase wird das eRezept vorerst in ausgewählten Arztpraxen und Apotheken in Brandenburg und Berlin eingesetzt werden. Dazu benötigen Versicherte für die vollen App-Funktionen ein NFC-fähiges Smartphone mit mindestens iOS 14 oder Android 6 sowie eine elektronische Gesundheitskarte (eGK) mit NFC und die dazugehörige PIN. Eine eingeschränkte Nutzung ohne eGK soll auch möglich sein.

Neben dem Rezept werden auch Hinweise zur Einnahme und Dosierung der Medikamente bei Erzeugung eines e-Rezepts in der App gespeichert werden. Dies dürfte für mehr Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme führen. Außerdem soll es in Zukunft möglich sein, über die App abzufragen, ob eine Apotheke ein bestimmtes Medikament vorrätig hat.

Die bundesweite Einführung des e-Rezeptes ist dann für das 4. Quartal 2021 geplant.

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