Zehn Kleinbauern in Tunesien können die Milch ihrer Kühe jetzt verkaufen. Das macht eine solare Kühlanlage möglich, die an der Universität Hohenheim in Stuttgart entwickelt worden ist. Bisher musste die Milch unmittelbar nach dem Melken verbraucht werden. Jetzt hält sie sich notfalls sogar bis zum nächsten Tag. Kunden können auch am Abend noch frische Milch kaufen. Das verbessert die Einkommenssituation der Landwirte und verschafft ihnen eine gesicherte finanzielle Basis.

milch-kuehlsystem

Eisproduktion mit Solarstrom

Die Hohenheimer Forscher entwickelten eine stark wärmeisolierte 30-Liter-Milchkanne mit einem Innenbehälter. In diesen Behälter füllen sie Eis, das die sie umgebende Milch innerhalb von 90 Minuten auf 17 Grad Celsius kühlt. Nach zweieinhalb Stunden ist die Temperatur auf weniger als zehn Grad Celsius gesunken, wenn die Eismenge erhöht wird. In den Innenbehälter passen bis zu acht Kilogramm Eis in Form von runden Kühlpacks. Die Eismaschine schafft pro Tag bis zu 13 Kilogramm.

Batterien machen wetterunabhängig

Das Eis wird in einem kommerziellen Tiefkühlschrank bereitet, der mit Gleichstromläuft. Den liefert ein Solarmodul mit einer Spitzenleistung von 600 Watt. Batterien, in denen Überschussstrom gespeichert wird, verhelfen zur Unabhängigkeit vom Wetter. Jede Einheit ist für zwei Milchkannen ausgelegt. Es können also 60 Liter gekühlt aufbewahrt werden.

Die meisten Bauern haben höchstens fünf Kühe

„Für die Bauern verbessert sich damit der Zugang zum lokalen Markt und auch zur Fertigung von Käse und anderen Milchprodukten“, sagt Ana Salvatierra-Rojas, die zum Team von Professor Joachim Müller vom Fachgebiet Agrartechnik in den Tropen und Subtropen gehört. Das System wird von Phaesun in Memmingen angeboten, einem Unternehmen, das sich auf die Stromversorgung abseits von Netzen spezialisiert hat. Es kostet rund 2700 Euro, die vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung getragen werden. Insgesamt gibt es in Tunesien 112.000 Bauernhöfe. 82 Prozent davon haben weniger als fünf Kühe. Vielen davon fehlt ein Stromanschluss, sodass das Hohenheimer System für sie geeignet ist. In diesem Jahr wird das Kühlsystem auch in Kenia angeführt.

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