1980 gab der legendäre Bluesgitarristen B.B. King sein zweites Konzert auf dem Montreux Jazzfestival. Das 48-minütiges Spektakel hat der Schweizer Toningenieur Philippe Zumbrunn auf Band festgehalten. Heute lassen sich nur noch zehn Sekunden dieses einmaligen Zeitzeugnisses abspielen, weil das Band weitgehend zerfallen ist.


Bild: EPFL/Alain Dufaux

Berührungslos auslesen

Dennoch wird das Konzert bald wieder in hoher Klangqualität zu hören sein. Möglich macht das ein Team um Sebastian Gliga, Physiker am Paul Scherrer Institut (PSE) in Villigen und Würenlingen im Schweizer Kanton Aargau, einem Spezialisten für Nanomagnetismus. Die Forscher haben ein Verfahren entwickelt, die Ausrichtung der winzigen Magnete, die Audiodateien auf Magnetbändern verschlüsseln, berührungslos auszulesen.

Millionen Bänder drohen verlorenzugehen

In den Archiven von Bibliotheken und Rundfunkanstalten finden sich Millionen Magnetbänder mit Musik berühmter Musiker und Tondokumente nicht minder berühmter Politiker und anderer Prominenter. Unzählige davon drohen wie das Band aus Montreux zu zerfallen. „Magnetbänder sind nicht für die Ewigkeit gemacht“, so Gliga. Deshalb hat er ein Verfahren ersonnen, die Inhalte auszulesen und als digitale Dateien wieder zugänglich zu machen.


Auf die Ausrichtung der Magnete kommt es an

Magnetbänder speichern Information in einer Schicht winziger magnetischer Teilchen – ähnlich kleiner Kompassnadeln, die entweder gen Norden oder Süden zeigen. Wird das Band bespielt, verändert sich deren magnetische Ausrichtung. Das Band wird magnetisiert und die Audio-Information ist nun im Ausrichtungsmuster physisch gespeichert. Um dieses Muster wieder abzuspielen, bewegt man es an einem Lesekopf vorbei. Da sich das Magnetfeld durch die Ausrichtung der Kompassnadeln ständig ändert, wird im Lesekopf eine Spannung induziert und es entsteht ein elektrisches Signal. Dieses wird wiederum verstärkt und in ein akustisches Signal umgewandelt.

Extrem scharfer Röntgenstrahl

Gliga richtet den extrem scharfen Röntgenstrahl der Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS), die am PSI betrieben wird. Damit erfasst er Magnet für Magnet deren Ausrichtung und speichert diese digital ab. Per Software ordnet er diesem Muster dann die zugehörige Akustik zu – der Bandinhalt wird wieder hörbar. „Wir erreichen damit so etwas wie die bestmögliche Kopie“, so Gliga.

 

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