Reiche Wüstenstaaten können es sich leisten, ein begehrtes Material in riesigen Mengen zu importieren: Bausand. Im eigenen Land gibt es zwar Sand im Überfluss, doch zum Anrühren von Beton ist er ungeeignet. Die Körnchen sind zu glatt. Arme Wüstenstaaten können sich den Import nicht leisten. Auf den Kapverden waten deshalb Frauen in das Meer, um dort Sand in Eimer zu schaufeln und an Land zu schleppen. Dieser lässt sich, anders als der vom Wind glattgeschliffene an Land, zum Bauen nutzen.


sand-beton

Kunstharz statt Zement

Polycare Research Technology mit Sitz in Gehlberg, einem kleinen Dorf im Thüringer Wald, haben eine Lösung, die für solche Staaten ideal ist. Sie fertigen aus Wüstensand Polymerbeton. Statt Zement, der in normalem Beton Sand und Kies fest umschließt und zu einem Klotz bindet, setzen Gerhard Dust und Gunther Plötner Kunstharz als Bindemittel ein. Der schafft es, selbst die glatten Sandkörner der Namib-Wüste zu Großziegeln zu formen, die beständiger sind als „richtiger“ Beton. Das Polycare-Material ist pro Kubikmeter zwar deutlich teurer. Wegen seiner hohen Festigkeit können die Mauern allerdings erheblich dünner sein. Daher reicht für eine Wand ein Viertel des Baustoffs.


sand-anlage-2
Mobile Produktionsanlage

Vier Tage Bauzeit für ein komplettes Haus

Auf ihrem Betriebsgelände haben die Thüringer ein 35-Quadratmeter-Musterhaus errichtet, in Namibia bauten sie ein weiteres. Vier Polycare-Mitarbeiter brauchten nur zwei Tage, um das zweistöckige Gebäude mit einer Wohnfläche von 45 Quadratmetern zu errichten. Die Ziegel haben, ähnlich wie Legosteine, Noppen und Vertiefungen, die genau ineinanderpassen. Ein bisschen Kleber hält sie zusammen. Da das Material wasserbeständig ist, sind keine Nacharbeiten wie Verputzen der fertigen Wände nötig, außer der Bauherr wünscht sich gestaltete Wände. Nicht einmal in Feuchtgebieten ist ein Fundament nötig. Wasser kann nicht hochsteigen. Da das Material zu mehr als 90 Prozent aus Sand, Kies oder anderen rieselfähigen Mineralien wie Asche besteht, kann es auch nicht brennen.

40.000 Polymerbeton-Häuser für Namibia

Namibia plant innerhalb der nächsten 15 Jahre 200.000 Häuser für die Ärmsten im Lande zu bauen. Polycare hat angeboten, 14 Produktionsanlagen für Großziegel aus Polymerbeton im Land aufzubauen. Das würde reichen, um Baumaterial für 40.000 Häuser zu errichten.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.