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Spinnenseide als Wunderprodukt in Medizin und Technik

Dass Spinnenseide unnachahmliche Eigenschaften besitzt, wusste man bereits in der Antike. Heilkundige nutzten das extrem vielseitige Material zum Beispiel als Mittel zur schnellen Blutstillung und Wundheilung. Bald lassen sich sogar infarktgeschädigte Herzen damit heilen.

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Spinnenseide als vielseitiges Naturmaterial

Die Vielseitigkeit der Spinnenseide nutzen

Radnetzspinnen sind echte Tausendsassas, was die Fadenproduktion betrifft. Sie stellen sieben verschiedene Fadenarten mit unterschiedlichen Eigenschaften her: extrem reißfest bis stark dehnbar, mit Kleber oder ohne. Insgesamt zeichnet sich Spinnenseide durch ihre antibakterielle und antifungizide Wirkung aus, sie ist sehr hitzestabil, wundheilungsfördernd und biologisch abbaubar. Im menschlichen Körper ruft sie außerdem keine Immunreaktion hervor, daraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten der medizinischen Verwendung. Die moderne Wissenschaft beschäftigt sich bereits seit langem mit der Spinnenseide und hat bislang doch nur einen ersten Schritt getan in die Welt unendlicher Nutzungsvarianten.

Baugerüst für menschliches Gewebe und umweltfreundliche Verpackung

Haut- Muskel- und Nervenzellen nehmen die Spinnenseide als Baugerüst dankbar an und wachsen an ihr entlang. Die Fäden zersetzen sich im Körper rückstandslos, an ihre Stelle tritt nach und nach gesundes, frisches Gewebe. So werden beispielsweise künstliche Hautschichten für Verbrennungsopfer erzeugt und eingepflanzt, Netze zur Verstärkung der Bauchwand geknüpft und sogar neue Trommelfelle hergestellt. In Venen gefüllte Spinnenseide dient als hoch effektives Nervenimplantat, das bereits an Schafen erfolgreich getestet wurde. Die Vene wird an die Nervenenden angenäht, das Nervengewebe wächst an der Spinnenseide entlang und überbrückt dabei die geschädigte Zone. Spinnen liefern auch biologisch abbaubare Klebstoffe für die Nahrungsindustrie, aus der Seide entstehen umweltfreundliche Verpackungen.

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Nicht nur fasinierend schön – sondern auch sehr nützlich: Spinnen

100 bis 200 Meter Faden liefert eine Radnetzspinne pro Woche

Vieles davon ist noch Zukunftsmusik, doch die Forschung arbeitet fieberhaft daran, theoretische Vorstellungen in die Tat umzusetzen. So wird es bald schon Körperimplantate geben, die mit einer Spinnenseidenlösung beschichtet sind und damit Entzündungen und Abstoßungsreaktionen vereiteln. Mit Hilfe eins 3-D-Druckers, der maßgeschneiderte Gewebeimplantate druckt, könnten infarktgeschädigte Herzen effektiv repariert werden, sodass der Herzmuskel seine vorherige Leistungskraft zurückerhält.

Die Medizinische Hochschule Hannover führt seit 2006 ein Spinnenseidenlabor, das die Goldene Radnetzspinne in den Mittelpunkt der Forschungen stellt. Die Forscher melken ihre Spinnen regelmäßig und erhalten so pro Tier etwa 100 bis 200 Meter Faden in der Woche, nach jedem Melkvorgang bekommen die Achtfüßler eine Belohnung. Wir dürfen jetzt schon gespannt sein, was die Wissenschaft sich noch alles einfallen lässt, um das wertvolle Naturprodukt nutzbar zu machen!

Quelle: swr.de

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