WhatsApp hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Sicherheitslücken zu kämpfen. Datenschützer warfen dem Unternehmen zudem vor, nicht über eine ausreichende Verschlüsselungstechnik zu verfügen. Insbesondere nach dem Kauf des Unternehmens durch Facebook schauten sich daher viele Nutzer nach Alternativen um. Diese Woche reagierte WhatsApp nun auf die Kritik und kündigte eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung seiner Daten an. Wer dem Unternehmen dennoch nicht vertraut und sich nach Alternativen umschaut, sollte eine der folgenden Anwendungen in Betracht ziehen.


Sichere Messenger

Das Vorbild der WhatsApp Verschlüsselung: Textsecure

Die neu angekündigte Verschlüsselung der WhatsApp Nachrichten basiert auf der Technik, die schon seit längerem im Messenger Textsecure zum Einsatz kommt. Dort erhielt die Verschlüsselung in unabhängigen Untersuchungen immer wieder Bestnoten. So vergab die „Electronic FrontierFoundation (EFF)“ in einer Studie nicht nur die Höchstpunktzahl von sieben Punkten, sondern sprach auch eine explizite Empfehlung aus. Aufbau und Installation der App ist dabei bewusst einfach gehalten und die grundsätzliche Nutzungsstruktur ist komfortabel. Bisher allerdings gibt es zwei große Mankos: Erstens ist die Zahl der Nutzer vergleichsweise gering – eine vollständige Verschlüsselung ist aber nur möglich, wenn Schreiber und Empfänger die Textsecure-App installiert haben. Außerdem istTextsecure bisher nur für Android-Smartphones erhältlich.


Textsecure im Video

Für Apple und Android verfügbar: Chatsecure

Ebenfalls die volle Punktzahl der EFF in Punkto Sicherheit erhielt der Messenger Chatsecure. Die Nachrichten sind dabei nicht nur während der Übertragung verschlüsselt, sondern lassen sich auch nachträglich nicht mehr decodieren. Die Kommunikation ist also dauerhaft sicher. Zudem kann Chatsecure von beinahe jedem genutzt werden, der über eine Internetverbindung verfügt: Für alle gängigen Betriebssysteme ist eine funktionierende Version verfügbar. Allerdings müssen User auf einige bekannte Features verzichten: Es können keine Gruppennachrichten versendet werden und das Verschicken von Nachrichten ist nur möglich, wenn beide Gesprächspartner online sind. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, bekommt mit Chatsecure allerdings die wohl momentan sicherste und vielseitig einsetzbarste Alternative zu WhatsApp.

EFF Tabelle
Ausschnitt aus der EFF-Tabelle „Sicherste Me3ssenger“ (Screenshot: EFF)

Auch mit dem Windows Phone nutzbar: Telegram

Telegram ist für wechselwillige ehemalige WhatsApp-Nutzer vor allem deshalb attraktiv, weil es in Aufbau und Bedienung sehr stark dem Vorbild ähnelt. Der User entscheidet hier selbst über den Grad der Verschlüsselung seiner Nachrichten: In der Grundeinstellung ist die Kommunikation mit dem Server verschlüsselt. Aktivieren beide Chatpartner den entsprechenden Modus, kommt eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zustande. Die verschärfte Verschlüsselung sorgt allerdings auch für einige Nutzungseinschränkung – so ist die Synchronisation von Inhalten so nicht möglich. Wer besonderen Wert auf Sicherheit legt, kann auch selbst-vernichtende Nachrichten versenden. In einem Schnelltest der Stiftung Warentest fiel auf, dass der Messenger Adressbucheinträge ohne Zustimmung der Nutzer speichert. Außerdem ärgerlich: Der Messenger verfügt standardmäßig über eine Funktion, die anzeigt, dass Nachrichten gelesen wurden.

Die beliebteste Alternative: Threema

Der Schweizer Messenger Threema profitierte am meisten vom Wirbel um die WhatsApp-Übernahme durch Facebook. Innerhalb weniger Monate stiegen die Nutzerzahlen des Dienstes von einigen hunderttausend auf mehrere Millionen. Von der Stiftung Warentest bekam der Messenger zudem ein Unbedenklichkeitsplazet in Sachen Datenschutz. Kritiker monieren allerdings, dass das Unternehmen zwar mit einer sicheren Verschlüsselung wirbt, die entsprechende Software aber nicht veröffentlicht. Die Angaben des Unternehmens können daher nur schwer überprüft werden. Zudem kann die Technik nicht von unabhängiger Seite auf Schwachstellen und Fehler untersucht werden. Von der „Electronic FrontierFoundation“ bekam der Schweizer Dienst daher nur fünf von sieben Punkten.

Threema

Finger Weg: Mixit und QQ

Komplett auf jegliche Verschlüsselung der Nachrichten verzichten die Messenger Mixit und QQ. Dennoch verfügen die beiden Dienste über erstaunliche Nutzerzahlen – wenn auch nicht in Deutschland. Mixit ist vor allem in Südafrika weit verbreitet und hat mehr als 5 Millionen Kunden. Der chinesische Messenger QQ ist mit mehr als 900 Millionen Nutzern sogar einer der beliebtesten Messenger weltweit. Wer allerdings Wert auf den Schutz der eigenen Kommunikation legt, sollte von beiden Produkten die Finger lassen.

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