Das vermehrte Blaumeisensterben in Deutschland gab den Forschern in den letzten Wochen Rätsel auf. Nun wurde der Grund gefunden: Die tödliche Lungenentzündung der Singvögel wird von einem Bakterium namens Suttonella ornithocola ausgelöst. Der Erreger war bereits von lokalen Ausbrüchen bekannt. Allerdings gab es bisher keine derart großen, überregionalen Ausbrüche.


Bild: Claus Fisser / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Dieses Bakterium ist verantwortlich für das Meisensterben

Die tödliche Seuche, der viele Blaumeisen in Deutschland erliegen, grassiert seit Anfang März. Vor allem im Westen und Südwesten des Landes sind tausende Vögel betroffen. Die Seuche verursacht ein Atemproblem, dem die Tiere schließlich erliegen. Bis zum 22. April wurden etwa 26.000 Fälle gemeldet. Der Verursacher dieser Seuche war bisher unbekannt.

Nun gelang es Veterinärmedizinern, den Erreger zu identifizieren. Mehrere Landesuntersuchungsämter berichteten, dass es sich um ein Bakterium namens Suttonella ornithocola handelt. „ Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt. Vermutlich sind auch Tannenmeise, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeise betroffen. Seltener erkranken die größeren Kohlmeisen„, erklärt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.


Den Erreger hatten die Wissenschaftler bereits eine Weile unter Verdacht. Er wurde 1996 erstmals in Großbritannien beschrieben, wo er bisher aber nur zu lokalen Ausbrüchen führte. 2018 konnte das Bakterium erstmals bei mehreren Meisen in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen werden. „ Das massenhafte überregionale Auftreten in diesem Jahr ist für diesen Erreger neu„, so Miller weiter.

Social Distancing auch für Blaumeisen

Die Seuche scheint sich nun innerhalb Deutschlands weiter auszubreiten. Besonders gehäuft treten die Fälle in einem Streifen auf, der sich vom Saarland und von Rheinland-Pfalz über das südliche Nordrhein-Westfalen und Hessen bis nach Thüringen erstreckt. Auch das nördliche Nordrhein-Westfalen und das westliche Niedersachsen sind besonders betroffen. Auch in Nachbarländern scheint es Fälle zu geben. „ Außer Deutschland sind mindestens auch Luxemburg und Belgien betroffen“, erklärt Miller. Für Menschen und Haustiere ist Suttonella ornithocola allerdings zum Glück ungefährlich.

Bei den Vögeln hilft allerdings nur, die Ansteckung zu verhindern. „ In betroffenen Gärten müssen Anziehungspunkte wie Futter- und Badestellen daher umgehend beseitigt werden, damit Vögel sich weniger leicht gegenseitig anstecken können. Social Distancing hilft auch bei Vogel-Seuchen, die Ansteckungen zu reduzieren„, erläutert Miller weiter.

Außerdem ruft der NABU dazu auf, Verdachtsfälle online zu melden. Ein entsprechendes Formular findet sich auf der Webseite des Vereins.

via NABU

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