In Bochum soll ein neuer Stadtteil entstehen, nicht irgendwo, sondern direkt über einem alten Kohlebergwerk. Dieses wurde 1958 stillgelegt und mit Wasser geflutet, darüber entstand ein Opelwerk, das heute ebenfalls nicht mehr existiert. Zwei Rohre führen seit Neustem tief in die Erde, eines ist 820 Meter lang, das andere 340 Meter. Sie bilden die Basis für das Heiz- und Kühlkonzept des geplanten Quartiers.


Startet Bochum mit seinem alten Erbe neu durch?

10.000 neue Arbeitsplätze sollen auf dem Gelände entstehen

In 820 Metern hat das Bergwerkwasser eine angenehme Badetemperatur von 28 Grad Celsius, in 340 Meter Tiefe sind es gerade mal 16 Grad Celsius. Es soll als Heiz- und Kühlmittel dienen, neben dem Bohrplatz hat bereits eine Firma eröffnet. Es handelt sich um das internationale Ingenieursbüro Zetcono, das 2023 an dieser Stelle den Betrieb aufnahm. Viele andere Unternehmen sollen folgen – und mit ihnen etwa 10.000 neue Arbeitsplätze.

Bochumer Stadtwerke möchten renommierte Firmen anlocken

Einige Meter neben dem Bohrplatz wird in einem fertigen Bürogebäude schon gearbeitet. Das internationale Ingenieursbüro Zetcon ist im Juni 2023 hier eingezogen. Jochen Raube von den Bochumer Stadtwerken denkt dabei an VW, Bosch und verschiedene Uni-Institute, die sich auf einer Fläche ausbreiten dürfen, die ungefähr 100 Fußballfelder umfasst. Raube rechnet um 2026/27 mit der Fertigstellung, selbstverständlich inklusive der geplanten Geothermieanlagen. I


m Erdgeschoss von Zetcon ist es schon so weit: Dort befindet sich die hauseigene Energiezentrale mit Wärmepumpe, die das Heizwasser von 28 Grad auf 48 Grad erwärmt und die Temperatur des 16-Grad-Kühlwassers noch einmal um 6 Grad absenkt – je nach Bedarf. Natürlich gibt es auf dem Dach auch eine PV-Anlage, die Solaranergie für die Büros und für die Ladesäulen der Elektroautos liefert.

Weitere Kohleschächte warten auf ihre Erschließung

Nur 500 Meter weiter entsteht eine weitere Energiezentrale, die den östlichen Part des Quartiers energetisch versorgen soll. Außerdem prüft die Stadt Bochum aktuell, ob sich weitere stillgelegte Kohleschächte zum Heizen und Kühlen von Gebäuden eignen. Ingesamt gibt es im Stadtgebiet zwölf davon, und in jedem Schacht schlummern etwa 10 bis 12 Megawatt, die auf Bergung warten. Ein entsprechend großflächiges Fernwärmenetz könnte zahlreiche Haushalte und Unternehmen umweltgerecht versorgen. Auch andere Ruhrgebietsstädte sind an dem Projekt interessiert und möchten das System eventuell übernehmen. Die Geothermie ließe sich noch mit weiteren grünen Energien ergänzen.

Es ist an der Zeit, unser unterirdischen Wasserreservoirs in Auge zu fassen: Vielleicht wird Bochum tatsächlich, wie erhofft, eine Blaupause für die Welt.

Quelle: focus.de 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.