Von Michael Reynolds Earthship-Häusern hatten wir bereits 2015 berichtet. Der Amerikaner baut energieautarke Häuser aus Abfall und exportiert sie weltweit. Damals gab es bereits Pläne für ein erstes Earthship-Haus in Deutschland. Dieses steht nun seit letztem Jahr bei Crailsheim in der Nähe von Stuttgart.

Foto: Earthship Tempelhof
Foto: Earthship Tempelhof

Das Tempelhofer Earthship ist das erste in Deutschland

Weltweit gibt es inzwischen 1000 Earthships. Das Konzept entwickelte der US-Amerikaner Michael Reynolds bereits vor 40 Jahren, und seitdem hilft er mit seiner Firma „Earthship Biotecture“ weltweit dabei, die Häuser zu bauen. Earthships kommen ohne teure Technologien aus, recyceln den anfallenden Abfall, heizen sich selbst und versorgen ihre Bewohner mit Essen. Gebaut werden sie aus recycelten Abfällen, die unsere Gesellschaft normalerweise wegwirft.

Das erste deutsche Earthship steht nun bereits seit letztem Jahr in Schloss Tempelhof, einer kleinen Kommune zwischen Nürnberg und Stuttgart. Gebaut wurde es unter anerem aus alten Autoreifen, aus Altglas und aus Bruchfließen.

Bei Schloss Tempelhof handelt es sich um ein gemeinschaftlich organisiertes Dorf, in dem 150 Menschen gemeinsam ökologisch und solidarisch leben. Die Idee, ein Earthship zu bauen, entstand 2014, der Bau begann dann im September 2015. Seit Mai 2016 steht das Earthship nun in Schloss Tempelhof und die Bewohner berichteten kontinuierlich von ihren Erfahrungen.

Das Earthship ist nahezu autark

Beinahe scheiterte das Projekt am deutschen Baurecht. Es war ein langer Weg, bis die Gemeinde schließlich die Baugenehmigung erhielt. Ganz autark ist das Earthship aber nicht. Die Baugenehmigung war an die Bedingung geknüpft, dass das Gebäude an die Wasserversorgung und Abwasserkanalisation angeschlossen ist. Das Trinkwasser muss aus der Leitung kommen, der sonstige Wasserbedarf wird mit Regenwasser gedeckt.

Daneben ist das Haus autark. Strom wird von einer Photovoltaik-Anlage erzeugt und in Batterien gespeichert und das Gebäude wird passiv mit Solarwärme geheizt. Die in den Wänden verbauten Autoreifen sind mit Erde gefüllt und dienen als eine Art Wärmespeicher, die durch Rohre ins Innere geleitete Frischluft erwärmen. Für Nahrung sorgt ein integriertes Gewächshaus, in dem die Bewohner Kräuter, Obst und Gemüse anbauen.

25 Menschen wohnen im und ums Earthship

Das Earthship wurde beim Bau und wird auch heute noch im Rahmen einer Masterarbeit wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, das Projekt Earthship an mitteleuropäische Verhältnisse anzupassen und weitere der Häuser bauen zu können. Die Pläne für den Bau können auf der Seite des Tempelhofer Earthships heruntergeladen werden.

Im Konzept von Schloss Tempelhof bildet das Earthship den zentralen Teil eines Wohnkomplexes, komplett Mit Wohn- und Esszimmer, einer Dusche und Toiletten. 155 Quadratmeter bieten Raum für etwa 25 Menschen. Um das Earthship sind Bauwagen und Jurten zum Schlafen und als Rückzugsort angeordnet.

Die Kosten für das Projekt betrugen etwa 300.000 Euro. Für diesen Preis leben nun 25 Menschen zusammen – darunter Singles, Paare, Familien und ältere Menschen. Den Bewohnern von Schloss Tempelhof ist es gelungen, eine heterogene Gruppe zu schaffen, die dennoch hervorragend harmoniert und sich ergänzt.

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