Mit der solaren Wärme, die die Meere vor allem in tropischen Regionen speichern, könnte der weltweite Stromverbrauch 4000 Mal gedeckt werden. Das Londoner Unternehmen Global Global OTEC will diesen energetischen Schatz jetzt heben. Es hat ein schwimmendes Kraftwerk entwickelt, das die Temperaturdifferenz zwischen Tiefenwasser, das oft nur vier Grad Celsius hat, und Oberflächenwasser, das zuweilen auf mehr als 25 Grad kommt, für die Stromerzeugung nutzen. Das Prinzip ist nicht neu, doch die Briten glauben, dass sie das Prinzip erstmals wirtschaftlich umsetzen können. Bisher ging in den wenigen existierenden Anlagen dieser Art der größte Teil des Stroms, die sie erzeugten, für die Versorgung der Kraftwerkskomponenten drauf. Im 120-Kilowatt-Kraftwerk im japanischen Nauru gehe so 90 Prozent des produzierten Stroms verloren.


Bild: Chanon Pornrungroj / University of Cambridge

Strom für afrikanischen Inselstaat

Das 1,5-Megawatt-OTEC-Kraftwerk – OTEC bedeutet Ocean Thermal Energy Conversion, also Umwandlung der thermischen Energie des Ozeans – wird auf einem Schiff namens „Dominique“ installiert, das vor der Küste des kleinen afrikanischen Inselstaates São Tomé und Príncipe verankert wird und ab 2025 Strom erzeugen soll. Die Wärmeenergie des oberen Wasserschichten wird genutzt, um Ammoniak zum Kochen zu bringen. Der dabei entstehende Dampf wird in einen Turbogenerator zur Stromerzeugung geleitet. Danach landet er in einem Kondensator, der mit Tiefenwasser gekühlt wird, sodass das Ammoniak sich wieder verflüssigt und erneut genutzt werden kann – der Kreislauf ist geschlossen. Das Kühlwasser fließt dann ins Meer. „Dominique“ soll 17 Prozent des Strombedarfs der kleinen Inselgruppe decken. Die Stromerzeugungskosten sollen bei umgerechnet 140 bis 280 Euro pro Megawattstunde liegen, das ist weniger als bei anderen Arten der emissionsarmen Stromerzeugung.

Orkane lassen sich bändigen

Die Technik hat noch einen klimarelevanten positiven Nebeneffekt. Wenn tausende und abertausende dieser stromproduzierenden Kähne eingesetzt würden, könnte die Oberflächentemperatur der Meere sinken, weil immer noch kaltes Kühlwasser eingeleitet wird. Derzeit steigt sie ständig an, was unter anderem zu einer Zunahme von oft verheerenden Orkanen führt.


 

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1 Kommentar

  1. Achmed Khammas

    15. November 2023 at 19:53

    Falls jemand an der weit zurückreichenden Geschichte der OTEC-Kraftwerke interessiert ist: https://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_06_10_wasser_temperaturgradient.htm

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