Die Linie S21 fährt in Hamburg im Zehn-Minuten-Takt. Zu Stoßzeiten ist dies aber oftmals nicht ausreichend. Die Züge sind dann regelmäßig vollkommen überfüllt. Verstärkt wird die Problematik zudem durch die Tatsache, dass die Strecke besonders oft von Ausfällen und technischen Problemen betroffen ist. Die Deutsche Bahn hat sich daher gemeinsam mit dem Technologiekonzern Siemens zu einem radikalen Schritt entschieden: Die Strecke wurde nun vollständig mit digitaler Technik ausgerüstet. In einem ersten Schritt können die Züge daher nun zwischen den Stationen Bergedorf und Berliner Tor vollkommen autonom fahren. Die S21 schließt also selbstständig die Türen und übernimmt auch den Beschleunigungs- und Bremsvorgang, ohne dass ein menschlicher Fahrer Befehle geben müsste. Später soll diese Fähigkeit dann auf das gesamte Streckennetz der Hamburger S-Bahn ausgeweitet werden. Dadurch erhoffen sich die Projektpartner eine Reihe von Vorteilen.


Bild: MissyWegner, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Kosten teilen sich Siemens und die Deutsche Bahn

So sollen zum einen die Betriebskosten gesenkt werden. Noch gibt es hierzu aber keine detaillierten Angaben. So ist unklar, ob auch weiterhin ein menschlicher Mitarbeiter an Bord sein muss, um im Notfall oder bei technischen Problemen eingreifen zu können. Sicher ist aber, dass die digitale Steuerung für eine Senkung des Energieverbrauchs sorgen soll. Denn die Beschleunigungsphasen und die regulären Bremsvorgänge können so optimal und maximal effizient durchgeführt werden. Im Idealfall schont dies auch die verbaute Technik, sodass sich die Zahl der Ausfälle reduzieren könnte. Zunächst einmal waren aber nicht unerhebliche Investitionen nötig. So kostete die Umrüstung der S-Bahnstrecke in Hamburg alleine schon sechzig Millionen Euro. Das Geld wurde von Siemens und der Deutschen Bahn zu jeweils gleichen Teilen aufgebracht. Im Rahmen des aktuell in Hamburg stattfindenden Mobilitätskongresses ITS wurde das intelligente System nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Perspektivisch soll das gesamte Netz umgerüstet werden

Die Deutsche Bahn hat zudem schon vor einiger Zeit bereits deutlich über Hamburg hinausgehende Pläne vorgestellt. So soll bis zum Ende des Jahrzehnts ein Großteil des Nah- und Fernverkehrs weitgehend automatisiert betrieben werden. Vorgestellt wurden entsprechende Pläne allerdings bereits vor mehr als drei Jahren. Seitdem ist zumindest im öffentlich sichtbaren Bereich nicht übermäßig viel passiert. Die digitalisierte S-Bahnstrecke in Hamburg könnte nun aber das Startsignal geben für eine forcierte Umrüstungsoffensive. Was die Digitalisierung des gesamten Streckennetzes kosten wird, wurde bisher nicht kommuniziert. Wenn man sich allerdings anschaut, wie viel Geld für die Ertüchtigung der einen S-Bahn-Linie in Hamburg benötigt wurde, kann man sich ausrechnen, dass hier durchaus enorme Investitionen notwendig sind. Langfristig soll sich dies aber durch die erwähnten Einsparungen dennoch rentieren.


Via: NDR

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1 Kommentar

  1. Jan

    12. Oktober 2021 at 09:18

    Und hier dachte ich, dass viele S-Bahnen in Deutschland bereits automatisiert seien. Schockierend wie weit wir technisch zurückliegen. Ein wenig beschämend zu lesen, dass wir diesen Umstand dieser Art veröffentlichen.

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