Gülle ist ein in der modernen Landwirtschaft notwendiges Nebenprodukt. In der Regel werden die Exkremente aus der Tierzucht als Wirtschaftsdünger verwendet. Speziell im Nordwesten Deutschlands fällt aber so viel Gülle an, dass eine sinnvolle Verwendung nicht mehr möglich ist. Aber in Gülle steckt viel Energie – die eigentlich auch komplett genutzt werden könnte.


Bild: Rasbak, CC BY-SA 3.0, GFDL

In Gülle steckt fast so viel Energie wie in Abfällen

In einer Studie über die Energieerzeugung durch Abfälle, die in der Ausgabe 33/2018 von EUWID Recycling und Entsorgung veröffentlicht wurde, könnte mit der in Deutschland entstehenden überflüssige Gülle durch Vergärung in Biogasanlagen jedes Jahr 86 Petajoule Energie erzeugt werden. Das ist doppelt so viel, wie die 30 derzeit vorhandenen Ersatzbrennstoff-Kraftwerke gemeinsam liefern. Wenn die Gülle energetisch vollständig genutzt werden würde, wäre sie der zweitwichtigste Stoffstrom, bei dem Energie aus Abfall oder einem Nebenprodukt erzeugt wird. Einzig und allein die klassische Müllverbrennung liefert mehr Energie, als durch die Verwendung von Gülle erzeugt werden könnte – nämlich 110 Petajoule im Jahr.

Für ihre Studie haben die Forscher ein Aufkommen von rund 200 Millionen Tonnen Gülle pro Jahr angesetzt. In Deutschland gibt es nicht genug Ackerfläche, um diese Mengen an Gülle aufzunehmen. Letztes Jahr beispielsweise mussten in Niedersachen und Schleswig-Holstein Notlager für Gülle eingerichtet werden, da die Kapazität der existierenden Tanks vollständig ausgeschöpft war.


Gülle als Nebenprodukt der Massentierhaltung

Der Großteil der Gülle entsteht im Rahmen der Massentierzucht. Der Gedanke, die Massen an Gülle energetisch zu nutzen, ist sicher ein löblicher Ansatz. Noch besser wäre es allerdings, die Massentierhaltung zurückzufahren, damit von vorne herein weniger Gülle anfällt. Dies jedoch erscheint als aussichtsloses Unterfangen, da die Verbraucher sich daran gewöhnt haben, das Fleisch ein in großen Mengen und zu relativ günstigen Preisen zur Verfügung stehendes Produkt ist. Leider ist die groß angelegte Zucht und Haltung von Nutztieren eine notwendige Konsequenz der existierenden Konsumgesellschaft – ein Zustand also, aus dem nur schwer bis unmöglich auszubrechen ist. Wenn stattdessen die entstehende Gülle zumindest durch energetische Nutzung einem sinnvollen Zweck zugeführt werden könnte, wäre damit ein großer Schritt getan.

via EUWID

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