Die Betreiber der öffentlichen Verkehrsnetze konnten bei der Beschaffung von klassischen Dieselbussen jahrzehntelang auf eine Reihe von etablierten Anbietern zurückgreifen. Zukünftig schreibt die Europäische Union allerdings Veränderungen vor. So müssen schon ab dem Jahr 2025 45 Prozent der neu angeschafften Fahrzeuge sauber fahren. Möglich wäre dies etwa durch den Einsatz von Elektroantrieben. Hier haben einige Betreiber zuletzt aber eher schlechte Erfahrungen gemacht. Denn die Busse kommen im Regelbetrieb oftmals nur rund 150 Kilometer weit. Heute sind sie aber bis zu 400 Kilometer unterwegs, bevor sie wieder das Depot ansteuern. In der Praxis ist es daher teilweise so, dass drei Elektrobusse benötigt werden, um ein Dieselfahrzeug zu ersetzen. Anders könnte dies bei Wasserstoff-Bussen aussehen. Hier gibt es aber zwei Schwierigkeiten: Zum einen lassen sich die etablierten Hersteller wie MAN oder Mercedes viel Zeit und haben noch keine konkreten Modell im Angebot.


Bild: Arthur Bus

Ein besonders effizienter Antrieb senkt die Kosten

Zum anderen ist die Fahrt nur sauber, wenn grüner Wasserstoff verwendet wird. Dieser ist aber aktuell noch sehr teuer. Den Angaben der Stadt Montpellier zufolge ist der Betrieb von Wasserstoffbussen daher aktuell rund sechsmal so teuer wie die Nutzung eines Elektrobusses. Das deutsche Startup Arthur hat auf diese beiden Problematiken nun mit der Entwicklung eines eigenen besonders effizienten Wasserstoff-Busses reagiert. So verbraucht das Fahrzeug auf einer Strecke von einhundert Kilometern lediglich fünf bis sechs Kilogramm Wasserstoff. Bei der Konkurrenz sind es hingegen um die acht Kilogramm. Möglich wurde dies durch viele kleine Verbesserungen bei der Antriebssteuerung und dem Komponentenmanagement. So wird etwa die Abwärme des Antriebs für die Heizung des Busses genutzt. Mit einer Tankladung kann das Arthur-Fahrzeug somit rund sechshundert Kilometer zurücklegen. Die Routen der heute genutzten Diesel-Busse könnten so eins zu eins übernommen und bedient werden.

Hinter dem Projekt steht ein deutscher Milliardär

Gebaut werden die Fahrzeuge allerdings nicht in Deutschland, sondern im polnischen Lublin. Dort kaufte das Startup die Produktionshallen eines insolventen Landmaschinenherstellers. Solche Investitionen werfen die Frage auf, womit eine junge Firma solche Investitionen stemmen kann. Im Fall von Arthur ist dies kein großes Geheimnis: Hinter dem Unternehmen steht Gerhard Mey, dem unter anderem die Hälfte des Autozulieferers Webasto gehört. Er wird zu den 200 reichsten Deutschen gezählt und finanziert das Projekt seit rund drei Jahren. In Lublin wurden nun die Kapazitäten geschaffen, um aus den Einzelteilen von mehr als 200 Zulieferern den besonders effizienten Wasserstoff-Bus zu produzieren. Theoretisch könnten hier bis zu neunzig Busse pro Jahr gebaut werden. Weitere Kapazitäten stünden in Brasilien zur Verfügung. Jetzt fehlen nur noch die entsprechenden Aufträge. Bei Arthur ist man sich aber sicher, dass diese schon bald eintreffen werden.


Via: Wiwo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.