Technologie zur automatischen Gesichtserkennung wird auch in Europa vielfach getestet. In Deutschland etwa am Berliner Bahnhof Südkreuz. Eine Auswertung der Daten rund um das Champions-League-Finale in Cardiff im vergangenen Jahr zeigte aber: Die Ergebnisse sind noch nicht wirklich zufriedenstellend. In China ist man hingegen bereits einen Schritt weiter. Dort hat das Startup Watrix eine Software entwickelt, die Personen anhand ihrer Statur und ihres Gangs erkennen soll. Dies kann etwa sinnvoll sein, wenn jemand das Gesicht verdeckt hat oder mit dem Rücken zur Kamera steht. Den Angaben der Entwickler zufolge funktioniert die Technik über eine Distanz von bis zu 50 Metern. Noch aber stehen unabhängige Tests aus, um zu prüfen, inwieweit die Technologie tatsächlich die gemachten Versprechungen erfüllen kann.


In keinem Land der Welt gibt es mehr Überwachungskameras

Klar ist allerdings: Gefüttert wird die Software mit den Bildern der in China extrem zahlreichen Überwachungskameras. Zusätzlich tragen einige Polizisten noch spezielle Sonnenbrillen, die ebenfalls mit einer Kamera-Funktion ausgestattet sind. Das Ziel der Behörden ist es, die bisher bereits genutzte Technologie zur Gesichtserkennung mit der Gang-Analyse zu verbinden und so verdächtige Personen noch schneller in großen Menschenmengen ausfindig machen zu können. Watrix erhielt daher zuletzt eine neue Finanzierung in Höhe von 14,5 Millionen Dollar. Das Geld soll genutzt werden, um ein fertiges Produkt für die Sicherheitskräfte des Landes zu bauen. Ausreichend Bildmaterial sollte zur Verfügung stehen: In China gibt es mehr als 170 Millionen Überwachungskameras. Rein rechnerisch kommt damit eine Kamera auf acht Einwohner.


Überwachungstechnik wird gegen die muslimischen Uiguren eingesetzt

Datenschützer sind von den neuen Überwachungstechniken allerdings nicht besonders angetan. Zumal sie auch genutzt werden könnten, um die Bevölkerung zu überwachen. So ist bereits seit einiger Zeit bekannt, dass China ein Punktesystem einführen möchte, um missliebiges – aber oftmals nicht illegales – Verhalten zu sanktionieren. Eine besondere Problematik ergibt sich zudem in den von den muslimischen Uiguren bewohnten Gebieten ganz im Osten des Landes. Hier wird schon jetzt die automatische Gesichtserkennung genutzt, um zu erfassen, wer sich außerhalb seiner Wohnung und seines Arbeitsplatzes aufhält. Auf diese Weise sollen mögliche Proteste der Bevölkerung gleich im Keim erstickt werden. Betroffen von der Überwachung sind aber natürlich auch vollkommen unbescholtene Bürger und friedliche Gegner der chinesischen Regierungspolitik.

Via: Techcrunch

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