Prostitution könnte man es nicht gerade nennen, aber, ja, weibliche Nilflughunde lassen sich doch gern für den Geschlechtsakt bezahlen. Und das sogar im Voraus. Nach kurzem Nachdenken ist man sich schnell darüber im Klaren, dass dieser Deal wirklich Sinn macht und das Überleben der Art sichert.


Von Dmitrij Rodionov, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:DR" title="User:DR">DR</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12890456">Link</a>
Von Dmitrij Rodionov, DREigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Die Damenwelt besitzt einen engen Kreis von Favoriten

Ein Forscherteam rund um den israelischen Zoologen Yossi Yovel trieb die Frage um, warum sich die männlichen Flughunde so willig ihr Futter aus dem Maul stehlen lassen. Und zwar ausschließlich von Weibchen. Die Wissenschaftler nahmen sich eine Kolonie aus 10 Weibchen und 15 Männchen vor, um herauszufinden, wie sich die Beziehungen untereinander gestalten. Die Tiere leben in einem Gehege, stammen aber aus der freien Natur. Die Forscher stellten fest, dass die geflügelte Damenwelt einen engen Kreis von Favoriten besitzt, der jedoch in der nächsten Saison schon wieder ein anderer sein kann. Die Weibchen interessieren sich fast nur für diejenigen Männchen, die ihnen vorher bereitwillig Futter abgaben – die anderen kommen gar nicht erst in die engere Auswahl. Die gesamte Studie legten die Zoologen im Wissenschaftsmagazin »Current Biology« dar.

Nicht-Futterteiler müssen sexuell darben

Gentests am Flughunde-Nachwuchs warfen ein noch genaueres Licht auf die pikante Angelegenheit: Vor der eigentlichen Paarung ergeben sich engere Beziehungen, wobei jedes Männchen nur mit einem einzigen Weibchen zusammenkommt. Polyamorie ist zumindest für diese Phase nicht vorgesehen, doch der schlussendliche Sex findet fast ausschließlich zwischen zwei Tieren statt, die sich ihr Futter geteilt haben. Nicht-Futterteiler müssen sexuell darben, daran führt wohl kein Weg vorbei.


Es steht zu vermuten, dass sich dieselben Verhaltensformen auch bei wilden Flughunden zeigen, doch nachgeprüft ist das bislang noch nicht. In der Freiheit gelangen die Tiere natürlich nicht so leicht an Futter, das Leben ist beschwerlicher und birgt mehr Gefahren. Vielleicht reagieren die Männchen in diesem Zusammenhang etwas allergischer auf Futterklau, wer weiß? Allerdings machte es mehr Sinn, dass die Herren der Schöpfung sich auch in der Wildnis ihr Futter abnehmen lassen. Das wirkt ähnlich wie eine kleine amouröse Marketing-Aktion: »Hier, sieh her, wie treusorgend ich bin! Ich würde auch ein schwangeres Weibchen nie im Stich lassen. Schon gar nicht dich!« Macht Sinn, oder?

Quelle: spektrum.de

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