Dieser April scheint sich selbst für einen Sommermonat zu halten: Die Sonne legt sich mächtig ins Zeug, die Temperaturen klettern regelmäßig auf über 20 Grad. Spätestens jetzt würde jede Grippe-Epidemie im Sand verlaufen! Aber wie steht es mit Covid-19: Bremsen Wärme und UV-Strahlen die Verbreitung?


Wird im Sommer alles wieder normal?

Abschwächung, aber kein Übertragungsstopp

Eines scheint jetzt schon klar: Intensiveres Sonnenlicht, UV-Strahlen, höhere Temperaturen und feuchtere Luft bekommen dem Virus nicht besonders gut. Allerdings kann es trotzdem für den Sommer keine Entwarnung geben, denn wir haben es nun einmal nicht mit einer regulären Grippe zu tun. Wissenschaftliche Studien deuten zwar eine Abschwächung an, aber leider keinen Übertragungsstopp.

Wetter-Empfindlichkeit geringer als bei Influenza-Viren

An der University of Hong Kong stellten Forscher Anfang April fest, dass die Coronaviren bei 4 Grad zu 20 Prozent volle zwei Wochen überleben – bei 37 Grad war hingegen nach 24 Stunden nur noch ein Tausendstel der Erreger übrig. Eingebettet in Aerosolen und Tröpfchen bleiben die neuen Viren allerdings länger erhalten als ihre altbekannten Geschwister aus der Influenza-Gruppe: Das fanden Wissenschaftler der Tulana University heraus. Die Empfindlichkeit gegen veränderte Umweltbedingungen liegt also tendenziell niedriger als bei der Grippe. Allerdings handelt es sich bei beiden Studien um rein labortechnische Versuche, die immer mit gewissen Unsicherheiten behaftete sind.


Die Südhalbkugel scheint aktuell weniger betroffen

Betrachtet man die globale Verbreitung, ist es unverkennbar, dass sich selbst in den Tropen Menschen mit Sars-Cov-2 infizieren. Die bei weitem meisten Erkrankten und Toten treten allerdings derzeit zwischen dem 50. Breitengrad und dem nördlichen Wendekreis bei 23 Grad auf. Die Südhalbkugel scheint aktuell deutlich weniger betroffen. Vielleicht hat dieses Phänomen tatsächlich etwas mit dem Klima zu tun, doch es kann auch ein Resultat verschieden hoher Testaktivitäten sein. Oder das Virus kam im Norden eher an als im Süden. In Afrika, Australien und Brasilien steigen jedenfalls derzeit die Fallzahlen an. Im Iran tobte das Virus schon früh und intensiv.

Ein genauerer Blick auf die Temperaturabhängigkeit

Untersuchungen an der University of Oxford zeigen deutliche Hinweise, dass kühles, trockenes Klima eine schnelle Ausbreitung fördert. Hier nahmen die Forscher immerhin 116 Länder mit darin enthaltenen 310 Regionen unter die Lupe. Die Schwankungsbreite ist aber groß, es lässt sich nur ein grober Trend ablesen. An der University of Chicago kam man zu dem Ergebnis, dass die Ausbreitung um 13 Prozent sinkt, wenn die Temperatur um 1 Grad ansteigt. Die Universität von Mailand fand heraus, dass das Virus sich besonders gut bei einer durchschnittlichen Temperatur von 5 Grad überträgt – die haben wir zum Glück lange hinter uns gelassen.

Insgesamt lässt sich zwar eine gewisse Tendenz feststellen, für eine Entwarnung reicht es aber leider nicht. Ganz abgesehen davon, dass uns dieses Jahr auch wieder Herbst und Winter ins Haus stehen und der Virus bis dahin sicher nicht ausgerottet ist. Bleibt also auch bei sommerlichen Temperaturen schön vorsichtig!

Quelle: spektrum.de

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