Die Ozeane gelten seit Langem als eine Art Stoßdämpfer des Klimasystems. Ein Großteil der zusätzlichen Wärme, die durch den menschengemachten Treibhauseffekt entsteht, verschwindet nicht in der Atmosphäre, sondern wird von den Weltmeeren aufgenommen. Neue Messdaten zeigen nun, dass diese Wärmespeicherfunktion ein bislang unbekanntes Ausmaß erreicht hat. Die globale Ozeanwärme hat erneut einen Rekordwert überschritten – mit Folgen, die weit über steigende Wassertemperaturen hinausgehen. Rekordwerte bis in große Tiefen Aktuelle Auswertungen internationaler Messprogramme belegen, dass der Wärmeinhalt der oberen 2000 Meter der Ozeane im Jahr 2024 so hoch war wie nie zuvor seit Beginn systematischer Aufzeichnungen. Besonders auffällig ist dabei, dass sich die zusätzliche Energie nicht nur in den oberflächennahen Schichten ansammelt, sondern zunehmend auch in größere Tiefen vordringt. Diese Entwicklung gilt als robustes Signal des fortschreitenden Klimawandels, da der Ozeanwärmegehalt weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen ist als etwa die Lufttemperatur. Forscher:innen des Institute of Atmospheric Physics der Chinesischen Akademie der Wissenschaften betonen, dass mehr als 90 Prozent der überschüssigen Wärme im Klimasystem von den Ozeanen aufgenommen wird. Einer der beteiligten Wissenschaftler:innen fasst die Lage nüchtern zusammen: „Der kontinuierliche Anstieg des Ozeanwärmeinhalts ist ein eindeutiger Beweis für das anhaltende energetische Ungleichgewicht der Erde.“ Die Daten stammen unter anderem aus autonomen Messbojen, die weltweit Temperaturprofile liefern und eine bislang unerreichte Abdeckung der Ozeane ermöglichen. Warum warme Ozeane das Klima antreiben Die zunehmende Erwärmung der Meere ist nicht nur eine Folge des Klimawandels, sondern wirkt auch als dessen Verstärker. Warmes Wasser dehnt sich aus und trägt damit wesentlich zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. Schon jetzt geht ein erheblicher Teil des beobachteten Anstiegs nicht auf schmelzende Gletscher, sondern auf diese thermische Expansion zurück. Gleichzeitig verändern sich durch höhere Temperaturen die Strömungsmuster der Ozeane, was langfristig Auswirkungen auf regionale Klimasysteme haben kann. Auch die Atmosphäre bleibt von der ozeanischen Wärmeaufnahme nicht unberührt. Wärmere Meeresoberflächen begünstigen die Verdunstung und liefern zusätzliche Energie für extreme Wetterereignisse. Starkniederschläge, marine Hitzewellen und intensivere Tropenstürme werden dadurch wahrscheinlicher. Ein weiterer Effekt betrifft die Fähigkeit der Ozeane, Kohlendioxid aufzunehmen. Mit steigender Temperatur sinkt die Löslichkeit von CO₂ im Wasser, was den natürlichen Puffer gegen Treibhausgase schwächt. Ein langfristiges Signal mit klarer Aussage Im Unterschied zu kurzfristigen Temperaturrekorden an Land zeigt der Ozeanwärmegehalt einen nahezu stetigen Aufwärtstrend. Genau darin liegt seine wissenschaftliche Bedeutung. Einzelne Jahre mit besonders hoher Erwärmung lassen sich nicht mehr allein durch natürliche Klimaschwankungen erklären. Vielmehr spiegelt sich darin die anhaltende Zufuhr von Energie wider, die durch den steigenden Gehalt an Treibhausgasen verursacht wird. Die beteiligten Forscher:innen weisen darauf hin, dass selbst ein sofortiger Stopp aller Emissionen die bereits gespeicherte Wärme nicht kurzfristig aus dem System entfernen würde. Die Ozeane reagieren träge, geben die aufgenommene Energie aber über Jahrzehnte hinweg wieder ab. „Was heute im Ozean gespeichert wird, prägt das Klima von morgen“, heißt es aus dem Forschungsteam. Der Rekord bei der Wärmeaufnahme ist daher weniger eine Momentaufnahme als vielmehr ein Blick in die klimatische Zukunft. Insgesamt zeichnen die neuen Daten ein konsistentes Bild: Die Weltmeere erwärmen sich schneller und tiefer, als es noch vor wenigen Jahren angenommen wurde. Damit wird der Ozeanwärmegehalt zu einem der deutlichsten Indikatoren für den fortschreitenden Klimawandel – und zu einem stillen, aber eindringlichen Maß für dessen Dynamik. via Chinese Academy of Sciences Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter