Obwohl die Entwicklungen von intelligenten Datenbrillen weiter voran schreiten, haben die Verbraucher mit den modernen Wearables bisher noch nicht viel am Hut. Der Zukunftsforscher Thomas Strobel ist jedoch fest davon überzeugt, dass die, mit einem Minicomputer bestückten Datenbrillen, schon in der nahen Zukunft einen nie da gewesenen Einfluss auf das Warenangebot bei Lebensmitteln in Supermärkten nehmen. In einem Gedankenexperiment gewährt uns Thomas Strobel einen Einblick in die Zukunft des Shoppings.


Datenbrille
Mittels Datenbrille sieht der Konsument von Morgen nur noch Waren in den Regalen, die den Auswahlkriterien entsprechen. Foto: Vuzix

So könnte Shopping im 2020 aussehen

Wir schreiben das Jahr 2020. Datenbrillen aus dem Hause Google, LG, Apple und Co haben sich bereits zu Massenartikel gemausert. Auch Menschen, die keine Brille benötigen, setzen auf die komfortablen Wearables, nur eben ohne Stärke. Es bringt schließlich viele Vorteile mit sich, wenn man mit der Datenbrille auf der Nase noch kurz vor Ladenschluss wichtige Einkäufe tätigt. Hier ist meist Eile geboten, zudem schützt die Datenbrille vor Fehlkäufen und bringt binnen weniger Sekunden alle wichtigen Informationen zu den einzelnen Produkten auf den Punkt. Allergiker greifen beispielsweise auf spezielle Anwendungen zurück, welche die Artikel im jeweiligen Supermarkt nach Unverträglichkeiten analysieren. Die Produkte werden dann im Voraus ausgeblendet.

„Wir tragen zukünftig eine intelligente Datenbrille beim Einkaufen. Damit wird es möglich, dass Zusatzinformationen aus Ernährungs- und Nachhaltigkeitsportalen unser Einkaufserlebnis mitbestimmen.“, erklärt Thomas Strobel der Geschäftsführer der FENWIS GmbH. Bevor der Einkauf startet, legt der Konsument von Morgen seine Einkaufskriterien fest, so dass die Datenbrille auch einen souveränen Job erledigen kann. Auswahlkriterien können dabei unter anderem keine Produkte aus Massentierhaltung, nur regionale Erzeugnisse, oder Fair-Trade-Produkte als auch nur Gemüse aus biologischem Anbau sein. Erste Ansätze funktionierender Technologien, zeigt das Unternehmen „Online Software AG“, welches bereits eine Anwendung für Google Glass entwickelt hat, die verschiedene Produkte im Laden scannt und automatisch Informationen wie den Preis oder enthaltene Stoffe vor das Auge projiziert.


Möglich sind die Eingrenzungen daher, weil die Supermärkte mittlerweile über ein „brillentaugliches“ Warensortiment verfügen. Produkte, die den Auswahlkriterien entsprechen, werden je nach Stellenwert und Wichtigkeit farblich im Brillen-Display dargestellt. Somit kann der Einkaufsprozess deutlich beschleunigt werden. Dank des Live-Abgleichs mit dem heimischen Kühlschrank wird auch dezent auf Produkte hingewiesen, die bald wieder nachgekauft werden müssten, da sich der Vorrat dem Ende zu neigt. Waren, die mit Einschränkungen noch akzeptabel sind (sogenannte Sünden), werden lediglich schwarz-weiß hinterlegt im Display angezeigt.

Der Konsument bestimmt das Angebot

Der 51-Jährige Zukunftsexperte beschreibt zudem auch die Folgen des Shopping 2.0 „Heute beeinflussen wir das Verbraucherverhalten nur indirekt – über mehr Informationen und Aufklärung. Wiederholt kritische Berichte über Massentierhaltung und industrielle Fleischverarbeitung führen bereits zu einer steigenden Nachfrage nach vegetarischen oder veganen Gerichten und Kochbüchern.“ [..] „Was Verbraucher mit digitaler Informationsunterstützung ablehnen, bleibt nicht nur im Regal liegen, sondern wird auch schnell aus den Sortimenten der Supermärkte verschwinden und letztlich beim Hersteller aus dem Programm genommen.“

Zukunftslotse Thomas Strobel geht davon aus, dass Verbraucher in Zukunft das Supermarktsortiment diktieren;  Foto: Michael Richter
Zukunftslotse Thomas Strobel geht davon aus, dass Verbraucher in Zukunft das Supermarktsortiment diktieren; Foto: Michael Richter

Mit den neuen Technologien und der Verknüpfung von Lebensmittelportalen bekommt der Verbraucher in Zukunft ein sehr machtvolles Instrument in die Hand gelegt. Die Supermärkte werden das Angebot vermehrt an die Nachfrage der Konsumenten angleichen müssen, um die Produkte noch ausreichend absetzen zu können. Das wiederum wird auch maßgeblich die Produzenten der Waren prägen. Antibiotika-Suppenhühner aus Massentierhaltungen verkaufen sich nicht mehr so gut. Eier von Hennen in Legebatterien oder mit Medikamentenrückständen belastetes Gemüse erweisen sich vermehrt als treue Ladenhüter. Auch der Fruchtjoghurt ohne Früchte und mit chemischen Zusatzstoffen und künstlichen Aromen gehört der Vergangenheit an.

Shopping 2020 ist nur ein kleiner Teilbereich der Möglichkeiten, die Datenbrillen uns in Zukunft bieten könnten. Thomas Strobel wirft weitere Beispiele wie Hinweise auf Freunde und Bekannte in der Fußgängerzone, Kochanleitungen für zuhause vorhandene Lebensmittel, animierte Reparaturanleitungen für Profis und Hobbybastler oder Hinweise auf gefälschte Geldscheine in den Raum.

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