Manchmal geht die Medizin seltsame Wege, in diesem Fall über den Darm und das Immunsystem in die Haut. In einer Pilotstudie erhielten Hautkrebs-Patienten Kot-Implantate anderer Menschen, um die Wirkung ihrer Immuntherapie zu befeuern. Bei 6 von 15 Probanden zeigte sich eine positive Wirkung: Eine Behandlung, die vorher nicht funktionierte, schlug plötzlich an.


Hautkrebs abwehren mit Stuhl-Transplantation

Die Stuhlspender und -empfänger sind Hautkrebspatienten

Im menschlichen Darm tummeln sich ungefähr 100 Billion Bakterien: Welche davon sind bei bestimmten Krankheiten hilfreich, welche nicht? Hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen, darum entnahmen die Wissenschaftler vom amerikanischen National Cancer Institute und dem National Institutes of Health vollständige Stuhlproben mit allen möglichen Mikroben, reinigten sie und implantierten sie ihren Probanden. Bei den Spendern und den Empfängern handelte es sich um Hautkrebs-Erkrankte: Die Spender sprachen auf die Immuntherapie an, die Empfänger derzeit noch nicht. Als nun die bislang fehlgeschlagenen Behandlungen fortgesetzt wurden, stellte sich bei beinahe der Hälfte der Patienten ein Erfolg ein: eine auffällig hohe Quote, die ohne Kot-Transplantation nicht erwartbar war.

40 Prozent der Patienten sprechen auf Immuntherapie nicht an

Die Darmflora eines Menschen übt einen großen Einfluss darauf aus, ob Krebsmedikamente wirken oder nicht. Das gilt auch für die Immuntherapie, die von den Tumorzellen ausgelöste »Abwehrbremsen« wieder lösen soll. Bei ungefähr 60 Prozent aller Menschen mit schwarzem Hautkrebs funktioniert diese Form der Therapie ohne weitere Hilfsmittel, 40 Prozent der Patienten gehen leer aus: ein hoher Prozentsatz von Misserfolgen, der mit der Stuhltherapie nun deutlich gesenkt werden könnte.


Die Forscher wollten natürlich wissen, was genau zu dem Erfolg geführt hatte. Sie analysierten die Darmflora ihrer Studienteilnehmer und fanden bei den 6 Probanden mit positivem Ergebnis eine deutlich erhöhte Zahl bestimmter Bakterien vor. Diese stehen mit den T-Zellen, einem wichtigen Baustein unseres Immunsystems, in enger Verbindung. Das Darmmikrobiom hatte sich also verändert und das Immunsystem umprogrammiert. Das gezielte Verabreichen der förderlichen Bakterien könnte in Zukunft statt über die Transplantation auch über Tabletten erfolgen, wenn sich in weiteren Studien die Wirkkraft bestätigt.

Quelle: wissenschaft.de

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