Am 10. April 1998 wurde Geschichte geschrieben. Mit dem sogenannten Karfreitagsabkommen endete eine lange Phase der politischen und religiösen Gewalt in Nordirland. Doch bis heute sorgt der dahinter stehende Konflikt für Nervosität bei den politisch Verantwortlichen. So war unter anderem der Streit über den zukünftigen Status von Nordirland dafür verantwortlich, dass sich die Verhandlungen über den Brexit so ewig lange hinzogen. Unter allen Umständen sollten Grenzkontrollen innerhalb der irischen Insel vermieden werden. Dies hätte – so die Befürchtung – alte Wunden wieder aufreißen lassen. Der etwas kuriose Kompromiss: Nordirland gehört zwar weiterhin zu Großbritannien, bleibt aber zunächst Teil der EU-Zollunion. Die Zollgrenze verläuft somit faktisch durch die irische See. Das aber führte zu neuen Problemen: Durch die notwendig gewordene Bürokratie kommt es aktuell zu Versorgungsengpässen in Nordirland.


Bild: Gemeinfrei

Für eine Brücke sind die Winde zu heftig

Der britische Premierminister Boris Johnson spricht sich vor diesem Hintergrund schon lange für eine engere Anbindung Nordirlands an den Rest des Königreichs aus. Symbolisiert werden soll dies durch ein gewaltiges Infrastrukturprojekt. Denn wer bisher von der britischen Insel aus nach Nordirland reisen möchte, muss die Fähre oder das Flugzeug nehmen. Schon vor einiger Zeit wurde deswegen über den Bau einer Brücke durch die irische See nachgedacht. Wer allerdings schon einmal dort war, dürfte wissen: Das Wetter kann ganz schön ungemütlich werden. Vor allem die regelmäßigen extrem starken Winde brachten die Planer letztlich von der Idee des Brückenbaus ab. Stattdessen wird nun erwogen, einen Tunnel unterhalb der irischen See zu graben. Dadurch könnte die Reisezeit von London nach Belfast auf nur noch vier Stunden reduziert werden. Konkret soll der Tunnel die schottische Stadt Stranraer mit dem nordirischen Larne verbinden.

Der Eurotunnel ist Vorbild und Warnung zugleich

Dies wären rund vierzig Kilometer. Dass solche Projekte aus technischer Sicht durchaus zu realisieren sind, hat Großbritannien bereits unter Beweis gestellt. Denn der 1994 eröffnete Eurotunnel zwischen Frankreich und der britischen Insel ist sogar mehr als fünfzig Kilometer lang. Allerdings zeigte sich hier auch, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nur schwer zu gewährleisten ist. So lagen schon die Baukosten letztlich mehr als doppelt so hoch wie veranschlagt. Dadurch wiederum mussten zusätzliche Kredite aufgenommen werden. Weil dann auch die Passagierzahlen deutlich unter den Erwartungen blieben, konnte die Betreibergesellschaft nie nachhaltig Gewinne erwirtschaften. Aus rein finanzieller Sicht dürfte sich daher auch der jetzt geplante Tunnel zwischen Schottland und Nordirland nicht rentieren. Vor dem Hintergrund des Brexits und der Historie könnte die britische Regierung aber gewillt sein, aus politischen Gründen die Kosten zu tragen.


Via: Die Zeit

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