Seeleute berichten seit Jahrhunderten von Wellen, die aus dem Nichts auftauchen und ganze Schiffe verschlingen. Erst am 1. Januar 1995 erfasste ein Messgerät an der Draupner-Plattform in der Nordsee vor Norwegen eine solche Monsterwelle: 25,6 Meter hoch, umgeben von Wellen mit rund zwölf Metern. Seitdem gilt jede Welle als Rogue Wave, die mindestens doppelt so hoch ausfällt wie die Wellen in ihrer Umgebung. Nun hat ein Team der University of Victoria im Pazifik einen neuen Extremfall ausgewertet.


Symbolbild

Eine Boje vor Vancouver Island zeichnet den Rekord auf

Am 17. November 2020 registrierte eine Sensorboje der Firma MarineLabs rund sieben Kilometer vor Ucluelet an der Westküste von Vancouver Island eine Welle mit 17,6 Metern Höhe. Absolut bleibt sie damit hinter der Draupner-Welle zurück. Entscheidend ist das Verhältnis: Der Seegang lag bei etwa sechs Metern, die Welle erreichte fast das Dreifache. Der Quotient aus maximaler und signifikanter Wellenhöhe beträgt 2,9 und damit den höchsten je gemessenen Wert.

Die Physiker:innen Johannes Gemmrich und Leah Cicon werteten die Messung aus und veröffentlichten sie im Februar 2022 in der Fachzeitschrift Scientific Reports. Gemmrich hält die Ucluelet-Welle für die proportional extremste Rogue Wave, die je aufgezeichnet wurde.


Ein Ereignis, das statistisch nur alle 1.300 Jahre eintritt

Nach den Berechnungen des Teams taucht eine Welle dieser Art im Schnitt einmal in 1.300 Jahren auf. Sie entstand nicht im Orkan, sondern in vergleichsweise moderater See. Bisher hatten Forscher:innen extreme Wellen vor allem bei hohem Seegang direkt beobachtet. Monsterwellen können entstehen, wenn Stürme gegen eine Meeresströmung blasen und schnellere Wellen langsamere einholen. Schätzungen zufolge ist etwa eine von 10.000 Wellen eine Monsterwelle, und im Winter fallen sie im Verhältnis zum Seegang extremer aus.

Offene Fragen zu Vorhersage und Klimawandel

Weder die Draupner- noch die Ucluelet-Welle richtete Schäden an. Andere Monsterwellen taten das: Fachleute halten sie für die wahrscheinlichste Ursache mancher Schiffsuntergänge. Ob sich solche Wellen vorhersagen lassen, bleibt laut Gemmrich offen. Die Daten des MarineLabs-Messnetzes sollen klären, wann, wo und wie sie entstehen. Eine Studie erwartet zudem steigende Wellenhöhen im Nordpazifik durch den Klimawandel. Der Rekord von Ucluelet könnte deshalb nicht lange Bestand haben.

via University of Victoria

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