Bisher spielt China beim Bau von großen Flugzeugen eine eher untergeordnete Rolle. Durch massive staatliche Investitionen solle sich dies aber mittelfristig ändern. Teil der Strategie sind dabei auch wichtige Prestigeprojekte. So erteilte die Regierung dem heimischen Rüstungskonzern Avic International im Jahr 2009 den Auftrag, ein riesiges Amphibienflugzeug zu entwickeln. Sieben Jahre später wurde die AG600 Kunlong dann erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Anschließend folgten die typischen nächsten Schritte: 2017 gelang ein erfolgreicher Jungfernflug, während ein Jahr später auf einem Fluss in der Region Hubei der erste Start vom Wasser aus stattfand. Nun haben die Entwickler auch die Königsdisziplin gemeistert: Auf einem Video ist zu sehen, wie das größte Amphibienflugzeug der Welt vom Meer aus startet und dort auch wieder landet.


Bild: Alert5 / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Zur Feuerbekämpfung können dreizehn Tonnen Wasser aufgenommen werden

Aktuellen Planungen zufolge soll das Flugzeug im Jahr 2022 offiziell auf den Markt kommen. Mit einer Länge von 37 Metern und einer Spannweite von 39 Metern ist es in etwa so groß wie eine Boeing 737. Voll aufgetankt kann es zwölf Stunden in der Luft bleiben und bis zu 4.500 Kilometer zurücklegen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 498 Stundenkilometern. Offiziellen Angaben zufolge ist zunächst eine zivile Nutzung geplant. So kann der Amphibienflieger bei Such- und Rettungsmissionen auf dem Wasser helfen. Beispielsweise ist er in der Lage bis zu 50 Passagiere an fast jeden beliebigen Punkt auf dem Meer zu transportieren. Gleichzeitig eignet sich die AG600 Kunlong aber auch als Löschflugzeug. So können innerhalb von nur zwanzig Sekunden dreizehn Tonnen Wasser aufgenommen werden. Offiziellen Angaben zufolge liegen für die Neuentwicklung bereits siebzehn Bestellungen von chinesischen Behörden und Privatfirmen vor.

Der Konflikt im Südchinesischen Meer spitzt sich weiter zu

Sicherheitsexperten verfolgen die Entwicklung allerdings mit einer gewissen Sorge. Denn sie befürchten, dass das riesige Wasserflugzeug später einmal vor allem militärischen Zwecken dienen könnte. Denn natürlich eignet sich das Flugzeug auch für den Transport von Truppen und Kriegsmaterial. Außerdem könnte es helfen, militärische Stützpunkte auf kleinen Inseln im Notfall schnell zu evakuieren. Diese Fähigkeiten sind brisant, weil China im sogenannten Südchinesischen Meer enorme Gebiete für sich beansprucht und sich deshalb in einem stetigem Konflikt mit den anderen Anrainerstaaten befindet. So wurde in den vergangenen Jahren beobachtet, dass China selbst kleinste Inseln befestigt, um die eigenen Ansprüche zu untermauern. Teilweise wurden sogar eigens Landflächen aufgeschüttet, um Stützpunkte errichten zu können. Das neue Amphibienflugzeug könnte nun helfen, diese winzigen Punkte im Meer besser ans Festland anzubinden.


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