»Machen wir doch einen Spaziergang!« Dieser Satz löst bei nicht wenigen Menschen eine intuitive Abwehrreaktion aus, vor allem Jüngere empfinden das scheinbar sinnlose Herumspazieren als gähnend langweilig. Trotzdem kann der einfachste Sport der Welt lebensverändernd wirken, wenn man es nur richtig anpackt.


Spazierengehen als Glücklichmacher?

60 Probanden gingen für die Forscher spazieren

Es geht nicht darum, besonders lange Strecken zu laufen oder sich auf andere Weise zu verausgaben. Ganz im Gegenteil: Spazierengehen wird zum Glücklichmacher, wenn die Seele möglichst intensiv von dem Ausflug ins Freie profitiert. Virginia Sturm und ihr Team von der University of California untersuchten genauer, wie das funktioniert und stießen auf erstaunlich klare Ergebnisse. Sie wiesen 60 Probanden an, acht Wochen lang regelmäßig spazieren zu gehen, Mindestmaß waren winzige 15 Minuten je Woche. Die Studienteilnehmer waren 60 bis 90 Jahre alt, also nicht mehr die Allerjüngsten. Die eine Hälfte von ihnen erhielt den Zusatzauftrag, unterwegs gezielt Situationen zu suchen, die sie ins Staunen versetzt. Die andere Hälfte durfte tun und lassen, was sie wollte – sie stellte die Kontrollgruppe dar.

Die »Stauner« erhielten ein Upgrade ihrer Lebensfreude

Alle Probanden füllten vor dem Versuch, während der Studie und noch einmal im Anschluss einen Fragebogen aus. Außerdem sendeten sie von unterwegs Selfies an die Forscher. Die Gruppe der »Stauner« begab sich auf weite Plätze und an andere beeindruckende Orte, sie sendeten Fotos mit zunehmend intensivem Lächeln im Gesicht. Auf den Bildern nahmen sie selbst immer weniger Raum ein, stattdessen geriet verstärkt die Umgebung ins Visier. Bei der Kontrollgruppe war dieser Trend nicht zu beobachten. Insgesamt nahm bei den Staunern der Hang zu Despressionen und Ängsten ab, die Lebenszufriedenheit aber zu. Es stellten sich vermehrt Mitgefühl und Dankbarkeit sowie eine engere Verbundenheit mit anderen Menschen ein. Und das, obwohl die Probanden beim Spazierengehen ganz allein waren!


Die Wissenschaftler ziehen daraus das Fazit, dass solche gezielten »Ich-bringe-mich-zum-Staunen-Spaziergänge« das Wohlgefühl steigern. Zumindest lässt sich das für Senioren behaupten. Vielleicht, so mutmaßen sie, bremst das neue Hobby auch den kognitiven Verfall. Übrigens: Es gibt jetzt schon einen Profi-Spaziergänger in Deutschland, davon berichten wir im nächsten Beitrag.

Quelle: spektrum.de

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