Mikroplastik gilt als großes Problem – die winzigen Plastikteile gefährden Meeresbewohner und können sogar über diese in Menschen landen. Aber wie sich nun herausstellte, ist das nicht die einzige Gefahr, die von den kleinen Plastikteilen ausgeht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Mikroplastik Treibhausgase wie etwa Methan freisetzt, wenn es unter Sonnenlicht-Einstrahlung zerfällt. Dieser Effekt nimmt zu, je weiter der Verfall voranschreitet und je kleiner die Teilchen sind. Mikroplastik gefährdet also nicht nur das Leben im Meer, sondern ist auch eine bisher stark unterschätzte Quelle klimarelevanter Gase.


Bild: Caroline Power

Mikroplastik als Methan-Quelle

Mikroplastik findet sich inzwischen nicht nur in den Ozeanen, sondern auch in Flüssen und Seen. Sogar in der Luft und im Boden sind die kleinen Teilchen nachweisbar. Neben der Gefährdung für Tiere und unter Umständen auch für Menschen trägt der Plastikmüll im Kleinstformat offenbar auch zum Klimawandel bei. Forscher um Sarah-Jeanne Royer von der University of Hawaii haben untersucht, wie Kunststoffsorten wie etwa Acryl, Polycarbonat oder Polyethylen (PE) unter der Einstrahlung von Sonnenlicht zerfallen. Dabei fanden sie heraus: Alle untersuchten Kunststoffe geben beim Zerfall Ethylen und das potente Klimagas Methan ab. Polyethylen etwa gehört zu den am häufigsten verwendeten Kunststoffarten und produziert überraschend große Mengen Methan, wenn es unter UV-Licht zerfällt.

Zerfall unter UV-Licht führt zu Klimagas-Emissionen

Die Forscher beobachteten Kügelchen aus LPDE, einer speziellen Form von Polyethylen, über einen Zeitraum von 212 Tagen unter dem Einfluss von UV-Licht. Je länger diese dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, desto mehr Klimagase entstanden beim Zerfall. Mit fortschreitender Zeit stiegt die Emissionsrate deutlich an. „ Weil bei dem Prozess Risse und Mulden im Material entstehen, vergrößert sich auch die Oberfläche, auf der die Sonne ihre schädliche Wirkung entfalten kann – dies trägt zu einer weiteren Beschleunigung der Treibhausgasproduktion bei„, so Royer. Anlass zur Sorge gibt auch, dass die Teilchen bei einmal begonnenem Zerfall auch in Dunkelheit weiter Treibhausgase emittierten.


Je kleiner die PE-Teile im Laufe des Zerfalls wurden, desto mehr Treibhausgase konnten freigesetzt werden. „Mikroplastik kurbelt die Produktion von Treibhausgasen womöglich weiter an. Plastik stellt damit eine bisher nicht beachtete Quelle klimarelevanter Spurengase dar, die mit der zunehmenden Anreicherung von Kunststoff in der Umwelt in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird„, so die Forscher.

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