Die Durian-Frucht ist stachelig und stinkt, jedenfalls für europäische Nasen. In Südostasien gilt sie dagegen als Königin der Früchte. Hunderttausendtonnenweise verspeist, weil ihr Fleisch sehr gut schmeckt. Die Schalen sind zu nichts nutze und werden meist verbrannt.


Bild: NTU Singapur

Das soll sich ändern. Forscher der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur extrahieren die Cellulose, die sich in den Schalen befinden, heraus und kombinieren sie mit Glycerin und Bäckerhefe. Es entsteht ein Hydrogel, also eine gelatineähnliche Masse, die sich als Wundverband eignet. Er wird aus dem großflächig hergestellten Material herausgeschnitten, sodass er für jede Wundform passt.

Hydrogele aus Polymethacrylat und Polyvinylpyrrolidin 

Das ungewöhnliche Verbandmaterial hat ein Team um Professor William Chen entwickelt, Direktor des NTU-Programms für Lebensmittelwissenschaften und -technik. Er stellte das Verfahren in Chemistry & Engineering vor, einer Fachzeitschrift der American Chemistry Society vor, die ihren Sitz in Washington hat.


Hydrogele werden auch heute eingesetzt, vor allem, um größere Wunden, wie sie bei Operationen entstehen, abzudecken. Das sie keimtötend sind sinkt die Gefahr, dass sich die Wunden entzünden. Außerdem verhindern sie, dass die Wunden austrocknen, wie es beim Einsatz von normalen Pflastern und Binden geschieht. Die heute verwendeten Wundauflagen bestehen aus Kunststoffen wie Polymethacrylat und Polyvinylpyrrolidin. Als Bakterienkiller wirken metallische Verbindungen, die Silber- oder Kupferionen absondern, die für Bakterien tödlich sind. Im Gegensatz zur Bäckerhefe sind diese Wirkstoffe teuer, und auch die verwendeten Polymere kosten in der Herstellung mehr als das Gel aus Durian-Abfällen.

Rohstoff im 10.000-Tonnen-Maßstab

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch antibiotikaresistente Superbugs wird die Welt mehrere alternative Wege zur Vorbeugung von Infektionen benötigen“, sagt Chen. Einen habe sein Team gewiesen, der zudem noch Ressourcen schone, weil er Abfälle nutzt – Glycerin entsteht unter anderem bei der Herstellung von Biodiesel, und zwar in so großen Mengen, dass nicht alles genutzt werden kann.

Allein Singapur importiert pro Jahr weit mehr als 10.000 Tonnen Durian. Die Schalen machen davon 60 Prozent aus. Ein Gutteil könnte man zu Wundauflagen verarbeiten. Der Weltmarkt wird auf mehr als zehn Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.

via NTU Singapur

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