Beipackzettel von Arzneimitteln können wirklich ellenlang sein, besonders spannend wird es bei den Nebenwirkungen. Viele Patienten wagen sich gar nicht erst an diese Lektüre heran, zu sehr geht ihnen der Inhalt an die Nieren. Doch ein aufgeklärter Mensch sollte wissen, was er seinem Körper zuführt und welche Resultate daraus zu erwarten sind. Oder?


Achtung: Das Lesen von Nebenwirkungen kann krank machen!

Drei Viertel der »Wissenden« entschieden sich ein Schmerzmittel

Das Universitätsklinikum Eppendorf führte diesbezüglich eine interessante Studie durch. Probanden mussten den gesamten Beipackzettel eines bestimmten Schmerzmittels lesen und sich am Ende für oder gegen die Medizin entscheiden. Beinahe drei Viertel der Teilnehmer wollten danach lieber ihre Schmerzen behalten als zu der Medizin zu greifen. Außerdem konnten die Testpersonen sich nach dem Lesen der Informationen sogar besser an die Nebenwirkungen erinnern als an die tatsächliche, gewollte Wirkung des Mittels. Und genau das hat weitere Folgen.

Schweizer Studie belegt negativen Placebo-Effekt

Wer die Nebenwirkungen kennt, der macht sich häufig derart viele Gedanken um diese unerwünschten Symptome, dass automatisch ein negativer Placebo-Effekt eintritt. Ein Beispiel: In einer Schweizer Studie kamen männliche Bluthochdruck-Patienten zum Zuge. Sie erhielten einen Beta-Blocker, der im Ernstfall zu Erektionsstörungen führen kann. Die Hälfte der Männer wurde darüber informiert, die andere nicht. Nach 60 Tagen gab jeder Dritte aus der informierten Gruppe an, an Erektionsstörungen zu leiden, während bei den Uninformierten nur jeder Zwölfte dieses Symptom entwickelte.


Natürlich wäre es keine gute Idee, aufgrund des Nocebo-Effekts sämtliche Informationen über Nebenwirkungen von Medikamenten wegzulassen. Doch es stellt sich die Frage, ob die Beipackzettel nicht anders gestaltet werden könnten, damit sie nicht zu derartigen Ängsten führen. Im Gespräch sind zum Beispiel positive Formulierungen wie: »95 Prozent der Patienten sind nicht von dieser Nebenwirkung betroffen«. Wer besonders ängstlich ist, sollte besser einen vertrauenswürdigen Arzt aufsuchen, um im Gespräch unter vier Augen die Wirkung des jeweiligen Medikaments zu klären.

Quelle: geo.de

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