Die Corona-Krise stellt uns alle vor besondere Herausforderungen. Nicht zuletzt auch die Wissenschaft: Noch nie wurde so intensiv und schnell nach einem Impfstoff gesucht wie jetzt im Falle des Virus SARS-CoV-2. Normalerweise betragen die Entwicklungszeiten für Impfstoffe inklusive Zulassung mehrere Jahre. Ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 soll unter Umständen schon Anfang nächsten Jahres zur Verfügung stehen. Mehrere Impfstoff-Kandidaten zeigten nun vielversprechende Ergebnisse.


mRNA-Impfstofffe: Mit neuer Technik gegen den Virus

Mehrere Forschergruppen arbeiten derzeit parallel an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Entscheidender Faktor bei einer Impfung ist, dass das Immunsystem anschließend ausreichen Antikörper gegen das Virus produziert. Diese können den Erreger am Zelleintritt und der Vermehrung hindern. Außerdem muss die zelluläre Immunantwort aktiviert werden.


Besonders intensiv im Gespräch waren in den letzten Wochen sogenannte mRNA-Impfstoffe gesorgt, die eine Bauanleitung für Teile des Spike-Proteins des Virus in Form einer sogenannten Boten-RNA (mRNA) enthalten. Die mRNA wird von den menschlichen Zellen aufgenommen, die daraufhin beginnen, das virale Protein zu produzieren und im Körper freizusetzen. DAs Immunsystem kann dann gezielt Antikörper gegen das Coronavirus-Protein bilden.

Die US-Firma Moderna hat im März 2020 eine klinische Studie mit einem mRNA-Impfstoff begonnen, in der 45 Teilnehmer verschieden hohe Dosen eines Impfstoffs namens mRNA-1273. Nach zwei Wochen hatten alle Probanden erste Antikörper gegen das Virus gebildet, berichtet Moderna nun. Bei acht der Teilnehmer konnten nach etwa fünf Wochen ähnlich hohe Antikörper-Konzentrationen nachgewiesen werden wie bei genesenen Covid-19 Patienten.

Diese vorläufigen Daten demonstrieren, dass eine Impfung mit mRNA-1273 schon in der niedrigsten Dosis von 25 Mikrogramm eine Immunantwort hervorruft, die in ihrem Ausmaß der bei einer natürlichen Infektion ähnelt„, so Tal Zaks von Moderna. Allerdings muss sich erst zeigen, ob das auch ausreichend ist, um effektiv vor einer Infektion zu schützen. Als nächstes wird sich der Impfstoff in einer Phase-II-Studie mit mehr Probanden beweisen. Diese Studie wurde offenbar bereits genehmigt und soll in kürze beginnen. Die Wirksamkeit des Impfstoffes kann erst in einer Phase-III-Studie untersucht werden, die ab Juli 2020 vorgesehen ist.

DNA-Impfstoff als Alternative

Ein US-israelisches Forschungsteam arbeitet dagegen mit einem DNA-Impfstoff, bei dem die DNA des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 verabreicht wird. Diese wird dann im Körper in das virale Protein übersetzt. Laut einer aktuellen Studie konnten die Forscher mit ihrem Impfstoff Rhesusaffen effektiv gegen Covid-19 schützen. Die Tiere bekamen innerhalb von drei Wochen drei Impfdosen. Drei Wochen später bekamen sie zur Überprüfung hohe Dosen des Virus in die Nase und die Bronchien gespritzt. Im Gegensatz zu einer ungeimpften Kontrollgruppe erkrankten die Tiere nicht an Covid-19 und wiesen eine deutlich verringerte Virenlast auf. Auch die Antikörperwerte ähnelten denen genesener Covid-19-Patienten. Eine Genehmigung für eine Studie mit menschlichen Probanden steht hier aber noch aus.

Auch herkömmliche Totimpfstoffe sind im Rennen

Zwei chinesische Forscherteams haben sich dagegen dazu entschlossen, eine ältere Methode für die Impfung gegen SARS-CoV-2 zu verwenden: Einen klassischen Totimpfstoff. Dabei wird das inaktivierte Coronavirus verwendet, das im Körper eine Immunisierung auslösen soll. Bereits Anfang Mai wurden die Ergebnisse eines erfolgreichen Impfversuchs bei Rhesusaffen veröffentlicht.

Die Tiere erhielten drei Impfdosen mit abgetöteten SARS-CoV-2-Viren und wurden anschließend mit hohen Dosen des Virus konfrontiert. Das Ergebnis: Die Affen erkrankten nich, entwickelten hohe Antikörperkonzentrationen und das Virus konnte sich nicht in ihrer Lunge vermehren. Mitte April lief eine Phase-I-Studie mit dem Impfstoff namens PiCoVacc an. Eine zweite Gruppe testet einen ähnlichen Impfstoff seit Ende April bereits in Wuhan in einer Phase-II-Studie.

Trägervirus bringt virale Proteine in die Zellen

Ein Team der University of Oxford und der US-National Institutes of Health (NIH) arbeitet mit einem Trägervirus, das das Gen für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in die Zellen einschleust. Nach diesem Muster funktionieren auch bereits existente Impfstoffe gegen Ebbola und Tuberkulose.

In einem Test mit Rhesusaffen konnten die Forscher bereits mit einer Dosis des ChAdOx1 getauften Impfstoff-Kandidaten eine zelluläre und Antikörper-basierte Immunantwort hervorrufen. Die Affen erkrankten ebenfalls nicht und wiesen solide Antikörper-Werte auf. Die Phase-I-Studie begann am 23. April in Großbritannien.

Impfstoff nicht vor 2021

Bei vorherigen Impfstoffen gegen andere Coronaviren – spezifisch MERS und SARS – konnten Forscher das sogenannte „antibody mediated enhancement“ beobachten. Bei diesem Phänomen werden nur ungenau passende Antikörper gebildet, die eine Infektion unter Umständen sogar noch verschlimmern konnten. Bisher gibt es bei den Impfstoff-Kandidaten gegen SARS-CoV-2 keine derartigen Beobachtungen.

Dennoch sollte man die Ergebnisse noch nicht überbewerten. Ob einer der Impfstoffe zugelassen und produziert werden wird, steht noch in den Sternen. Eine bevölkerungsübergreifende Impfung wird es wahrscheinlich frühestens Anfang 2021 geben. Studien der Phase II und III sind deutlich aufwändiger und länger als die ersten Tests, bei denen nur die Verträglichkeit der Impfstoffe untersucht wurd.

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