Der Name Edward Bernays ist unter Normalbürgern kaum bekannt, und doch hat dieser Mann, der von 1891 bis 1995 lebte, seine Spuren auch in den modernen Medien hinterlassen. Ihm haben wir die Bezeichnung »Public Relations« zu verdanken, ein Wort, das sehr viel angenehmer klingt als »Propaganda«. Bernays beschäftigte sich zeitlebens mit der Frage: Wie lassen sich die Massen in einer Demokratie steuern? Und er fand wirksame Werkzeuge, die öffentliche Meinung zu lenken.


Von Andreas Bohnenstengel, CC BY-SA 3.0 de, Link

Die Erfolge des berüchtigten »Meinungsmachers«

Arte stellte die Dokumentation »Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache« am 10. September online, sie wird noch bis zum 8. November verfügbar sein. In dem 54 Minuten langen Film entsteht ein spannendes Porträt des PR-Beraters und Spin-Doctors, der die Damenwelt im frühen 20. Jahrhundert zum Rauchen animierte und maßgeblich an einem Regierungssturz in Guatemala beteiligt war. Ganz groß in Erscheinung trat Bernays zum ersten Mal 1917, als er dem US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson aus der Klemme half: Dieser hatte im Wahlkampf fest versprochen, nicht in den 1. Weltkrieg einzutreten, doch als er seinen Amtssitz innehatte, änderte er seine Meinung. Es gab also handfesten Bedarf, das amerikanische Volk umzustimmen, sodass Wilson ohne Gesichtsverlust seine Pläne durchsetzen konnte. Bernays und sein Team dämonisierten den »deutschen Feind« und setzten charismatische Stars zur Verbreitung der benötigten Botschaft ein.

Bernays gehörte zu den einflussreichsten Menschen der Welt

Ganz schlicht gesagt geht es in der von Bernays favorisierten Form der Propaganda wieder einmal darum, den Verstand der Menschen zu umgehen und die Emotionen der Massen zu erreichen. Auch den Arbeiterrevolten jener Zeit wurde mit den Mitteln der Meinungsmache begegnet, der Kapitalismus avancierte per Propganda vom Feind zum Freund. Und so ziehen sich die PR-Coups von Bernays und seinen Mitstreitern durch viele Jahrzehnte, kein Wunder also, dass das Life-Magazin den PR-Fachmann zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts zählt.


Edward Bernays rühmte sich, ein Neffe des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud zu sein, er griff entsprechend gern auf dessen Theorien zurück. Das Schüren irrationaler Wünsche gehörte fest zum Konzept, diese gehen stets weit über die real bestehenden Bedürfnisse hinaus. Bernays beeinflusste nicht nur die Staatslenkung der USA maßgeblich, sondern alle bestehenden liberalen Demokratien. Inwieweit seine Mittel und Werkzeuge heute noch Anwendung finden, ist eine Frage, der wohl jeder selbst auf die Spur kommen muss. Die Dokumentation kann bei dieser individuellen Analyse eine gute Hilfe sein.

Quelle: arte.tv

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