Hitze an sich ist in Frankreich nicht ungewöhnlich. So muss das Land jedes Jahr die Kapazität seiner Atomkraftwerke drosseln, weil nicht ausreichend Kühlwasser zur Verfügung steht. Normalerweise geschieht dies allerdings erst im Hochsommer. Doch in diesem Jahr ist die Situation schon jetzt kritisch. So lag die Durchschnittstemperatur im Mai bei 17,8 Grad Celsius. Nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen wurde ein solch hoher Wert gemessen. Hinzu kommen ausbleibende Regenfälle. Die Niederschläge in den letzten drei Monaten lagen um rund 45 Prozent niedriger als üblich. Die Folge: Stark ausgetrocknete Böden. In dieser Situation droht dem Land nun eine weitere Hitzewelle. Ab heute sollen die Temperaturen für den Rest der Woche auf bis zu 40 Grad Celsius steigen. Die Wasserversorger des Landes kommen dadurch langsam in Bedrängnis. Sie rufen die Einwohner des Landes daher ungewöhnlich früh im Jahr schon zum Wassersparen auf.


Wasser
Wasser / Foto: Roger McLassus CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Es mangelt auch an Kühlwasser für Atomkraftwerke

Teilweise bleibt es auch nicht nur bei Apellen. Denn in rund einem Drittel der französischen Departments wurde bereits die eine oder andere Warnstufe aktiviert. Dort gelten dann detailliert definierte Beschränkungen. So ist teilweise das Bewässern von Gärten verboten. Auch Autowäschen und das Füllen eines privaten Pools können untersagt werden. Auch die Atomkraftwerke des Landes können nicht mehr ihre volle Leistung bringen. So musste das Kraftwerk Saint-Alban an der Rhone bereits gedrosselt werden. Verantwortlich dafür sind strenge Umweltvorschriften. Denn die Entnahme von Kühlwasser und die spätere Rückführung sind streng reguliert, um die Artenvielfalt in den Flüssen zu erhalten. Solange davon nur einzelne Kernkraftwerke betroffen sind, kann dies relativ problemlos aufgefangen werden. Wenn bei größeren Hitzewellen allerdings der Großteil der Kraftwerke betroffen ist, kann dies zu Problemen bei der Stromversorgung führen. Dies war zuletzt im Jahr 2003 der Fall.

Modernisierungen im Wassernetz sind zu lange unterblieben

In diesem Jahr könnten ähnliche Probleme drohen. Die Hitzewelle alleine ist allerdings nicht verantwortlich für die Probleme bei der Wasserversorgung. Denn Experten verweisen auch darauf, dass in den letzten Jahren nötige Anpassungen nicht realisiert wurden. So geht ein Teil des Wassers durch undichte Stellen im Netz verloren. Die notwendigen Modernisierungen, um diese Lecks zu schließen, sind allerdings zum Teil unterblieben. Auch spezielle Tarife, die das Wassersparen in kritischen Zeiten belohnen, gibt es bisher nicht. Probleme gibt es auch beim Schutz von vorhandenen Feuchtgebieten sowie mit der Flächenversiegelung. Denn die menschlichen Aktivitäten sorgen immer stärker dafür, dass die Böden weniger Wasser speichern können als in der Vergangenheit. Abhilfe schaffen könnten technische Lösungen. So wäre es denkbar, nur gering verschmutztes Abwasser schneller wieder zu nutzen und Grundwasser-Reservoirs gezielt aufzufüllen. Für diesen Sommer dürften die Maßnahmen aber allesamt zu spät kommen.


Via: FAZ

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