Bäume sind und bleiben rätselhafte stille Wesen; und wer schon einmal eine Nacht im Wald verbracht hat, wird wissen, wie lebendig sie sich anfühlen. Darum dürfte es den einen oder anderen unter euch nicht besonders überraschen, dass ein Forscher an der Aarhus Universität in Dänemark nun den Herzschlag der Bäume entdeckt hat.


Diese Kastanie besitzt einen eigenen Herzschlag. / Foto: Yvonne Salmen

Der Rhythmus orientiert sich am Ablauf von Tag und Nacht

Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass die Baumsäfte im stetig gleichen Fluss durch die Tracheiden fließen. Dass es sich tatsächlich um einen regelmäßigen Pumpvorgang handelt, der an den menschlichen Herzschlag erinnert, aber sehr viel langsamer abläuft, konnte nun der Forscher Dr. András Zlinszky beweisen. Die Ergebnisse seine Studie hat er im Fachmagazin »Plant Signaling & Behavior« veröffentlicht – und dabei auch ältere Untersuchungen mi einbezogen, die den Pumprhythmus noch als Rechenfehler abtaten. Zlinszky maß mit Hilfe von Laserstrahlen die exakte Position der Äste und Blätter von 22 verschiedenen Baum- und Buscharten. Er stellte fest, dass sich die Äste periodisch senken, um sich danach wieder aufzurichten. Bei einigen Bäumen handelt es sich immerhin um einen Höhenunterschied von 10 Zentimetern, die Bewegungsgeschwindigkeit beläuft sich auf 1 cm pro zwei bis sechs Stunden. Der Rhythmus orientiert sich am Ablauf von Tag und Nacht und hängt wahrscheinlich mit dem bestehenden Wasserdruck im Bauminneren zusammen.

Am Morgen erheben sich die Äste, als erwache der Baum aus dem Schlaf

Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf wenige Baumfamilien, sondern es ist sehr weit verbreitet. Die Nacht verbringen die Äste eher in einem hängenden Zustand, während sie sich zum Sonnenaufgang wieder erheben, ganz so, als erwachen die Pflanze aus dem Schlaf. Die neuen Erkenntnisse reihen sich nahtlos ein in die immer tiefer greifende wissenschaftliche Offenbarung, dass Bäume eine Art geheimes Leben führen, ganz unbemerkt von uns Menschen. Trends der Zukunft berichtete zum Beispiel bereits darüber, dass eine Art »Wood Wide Web« existiert, in dem stärkere Bäume den schwächeren Nachbarn helfen.


Zlinszky möchte seine erlangten Forschungsergebnisse dafür nutzen, die normalen Bewegungsmuster der Bäume genau zu kartieren, um dann Abweichungen von der Regel erkennen zu können. Nahende Krankheiten und Stresssymptome ließen sich auf diese Weise wahrscheinlich in einem früheren Stadium diagnostizieren – und mit Hilfe einer zeitnahen Behandlung heilen.

Quelle: iflscience.com

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