Die legendäre Concorde scheiterte letztlich auch daran, dass sich außer Air France und British Airways keine kommerziellen Abnehmer fanden. Verantwortlich dafür waren vor allem die starken Einschränkungen, was mögliche Flugziele betraf. Denn Überschallflüge waren faktisch nur über dem Meer erlaubt. Aktuell ist daher gar kein Überschallflugzeug in der zivilen Luftfahrt unterwegs. Das US-Startup Boom hat aber bereits vor einiger Zeit angekündigt dies ändern zu wollen. Inzwischen scheint man mit der Vision auch die ersten Airline-Manager überzeugen zu können: Nachdem im vergangenen Jahr United Airlines ankündigt, mindestens fünfzehn Maschinen kaufen zu wollen, zog nun der große Konkurrent American Airlines nach. Die Fluglinie will mindestens zwanzig der Overture genannten Überschallflieger kaufen. Der Kaufbetrag wurde nicht kommuniziert, steht dem Startup als nicht erstattungsfähige Anzahlung aber bereits zur Verfügung. Diese Konstruktion soll sicherstellen, dass die Entwicklungsarbeit ausreichend finanziert ist.


Bild: Boom Supersonic

Von Seattle nach Tokio geht es in sechs Stunden

Denn bisher existiert der visionäre Jet nur auf dem Papier. Geplant ist der Bau eines Überschallflugzeugs für – je nach Innenausstattung – 65 bis 80 Passagiere. Diese sollen dann mit einer Geschwindigkeit von Mach 1,7 ans Ziel befördert werden. Dies entspricht in etwa 2.098 Km/h. Damit kommt der neue Flieger nicht ganz an die legendäre Concorde heran, die mit Mach 2,04 einen bis heute gültigen Rekord aufstellte. Die geplanten Geschwindigkeiten würden aber ausreichen, um die heutigen Flugzeiten deutlich zu verkürzen. So soll ein Flug über den Atlantik von Miami nach London zukünftig nur noch fünf Stunden dauern. Über den Pazifik von Seattle nach Tokio soll es in sechs Stunden gehen. Heute ist man auf dieser Strecke mindestens zehn Stunden unterwegs. Bleibt die Frage zu klären, wann aus der Vision tatsächlich Wirklichkeit werden könnte. Angestrebt wird die Auslieferung der ersten Maschinen für Mitte des Jahrzehnts. Wie immer bei kompletten Neuentwicklungen kann aber die eine oder andere Verzögerung nicht ausgeschlossen werden.

Theoretisch können nachhaltige Kraftstoffe genutzt werden

Zumindest scheinen die Ingenieure aber darauf zu achten, aus den Fehlern der Concorde zu lernen. So wurden neue Technologien entwickelt, die die Lärmbelastung auf der Erde deutlich reduzieren. Hinzu kommt, dass Überschallflugzeuge von Umwelt- und Klimaschützern stark kritisiert werden. Denn ihr Treibstoffverbrauch ist noch höher als bei gewöhnlichen Flugzeugen. Hierauf haben die Entwickler reagiert, indem sie die Nutzung von nachhaltigen Kraftstoffen ermöglicht haben. Theoretisch können die Emissionen so auf ein Minimum reduziert werden. Das Problem allerdings: Die sogenannten E-Fuels sind aktuell noch deutlich teurer als klassisches Kerosin. Es bleibt daher abzuwarten, ob die Airlines von der Möglichkeit wirklich Gebrauch machen werden. Der Traum vom Überschallflug in der zivilen Luftfahrt scheint aber grundsätzlich noch zu leben. Dafür spricht auch die Reaktion der Börse: Die American-Airlines-Aktie reagierte auf die Nachricht mit Kursgewinnen.


Via: Der Standard

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