Wer sich auf eine HIV-Infektion testen lassen wollte, der war bisher darauf angewiesen, bei Ärzten oder bestimmten zugelassenen Einrichtungen oder Behörden wie etwa dem Gesundheitsamt einen Test durchführen zu lassen. Seit vergangenen Samstag hat sich das geändert: HIV-Schnelltests, die in wenigen Minuten zu einem Ergebnis kommen, können nun frei verkauft werden. Wir verraten euch, was ihr über die Tests wissen müsst.


HIV
Foto: Know your HIV status, Jon Rawlinson, Flickr, CC BY-SA 2.0

HIV-Selbsttests sind nun frei verkäuflich

Am 21. September 2018 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, die Reglementierungen von HIV-Tests weitestgehend zu lockern und den Weg für den freien Verkauf von HIV-Schnelltests zu ebnen. Die Hoffnung dahinter ist, dass die Hemmschwelle bezüglich des Tests damit sinkt und sich auch Menschen testen, die vor einem Test beim Arzt oder Gesundheitsamt eher zurückschrecken oder sich wenn nur unregelmäßig testen lassen.

Da HIV-Infektionen oft jahrelang symptomfrei verlaufen, aber umso besser behandelt werden können, desto früher sie erkannt werden, ist eine möglichst frühe Diagnose sehr wichtig. Die neue Regelung soll es vor allem auch Risikogruppen erleichtern, sich regelmäßig zu testen.


Die BRD gehört dank guter Prävention und dem Fortschritt der medizinischen Versorgung bereits jetzt zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Ende 2016 lebten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 88.400 Menschen in Deutschland mit HIV/Aids. Die Möglichkeit, sich selber zu testen, soll die Infektionsrate weiter bekämpfen. Schätzungen zufolge wissen in Deutschland bis zu 12.700 Infizierte nichts über ihren HIV-Status, was nicht nur für sie selber gefährlich ist, sondern auch Dritte gefährdet.

Offizielles Info-Portal soll Fragen beantworten

Gleichzeitig mit dem Verkaufsstart der HIV-Selbsttests ging auch ein Informationsangebot des Bundesgesundheitsministeriums und des Paul-Ehrlich-Instituts online. Dort wird Unterstützung bei der Produktauswahl bereitgestellt sowie wichtige Fragen beantwortet, etwa wie es für Betroffene nach einem positiven Test weitergeht.

Wir wollen Menschen unterstützen, die sich freiwillig auf HIV testen wollen“, sagt er. „Die Verkaufsfreigabe von HIV-Selbsttests ist damit ein weiterer Baustein im Kampf gegen HIV und Aids. Je früher Betroffene von einer HIV-Infektion wissen, desto früher kann ihre Behandlung beginnen“, sagt Spahn: „Und wer unsicher ist, ob eine Infektion vorliegt, will schnell Gewissheit„, so der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Wie funktioniert der HIV-Selbsttest und was kostet er?

Wer einen HIV-Selbsttest durchführen will, der sollte sich für ein Produkt mit CE-Kennzeichnung entscheiden. Dies bedeutet, dass der Test nach der Medizinprodukte-Verordnung zugelassen wurde. Eine Liste mit solchen Produkten findet sich etwa im offiziellen Online-Informationsangebot oder auf der Webseite der Deutschen Aids-Hilfe. Außerdem sollte der gewählte Test eine Sensitivität von annähernd 100 Prozent aufweisen und für Laien konzipiert sind. Die Deutsche Aids-Hilfe emüfiehlt etwa den Autotest VIH, den Insti-HIV-Heimtest und den Exacto-Test. Die Kosten variieren zwischen 20 und 50 Euro pro Test.

Die Durchführung des Tests ist sehr einfach. Es reichen ein paar Tropfen Blut, die von der Fingerkuppe abgenommen werden. Diese werden auf den Test übertragen, der dann je nach Test zwischen eine und 15 Minuten braucht, um ein Ergebnis anzuzeigen.

Positives Testergebnis: Was nun?

Ein negatives Ergebnis gilt als recht sicher, solange die letzte allgemeine Infektionskrankheit mehr als 12 Wochen zurückliegt. Außerdem kann das Ergebnis bei Patienten verfälscht sein, die bereits HIV-Prophylaxe-Medikamente einnehmen. Diese sollten sich aber sowieso medizinisch begleiten lassen.

Wenn der Test positiv ausfällt, heißt es Ruhe bewahren. Als erstes sollte das Ergebnis von einem Arzt, einem Gesundheitsamt oder einem Checkpoint der Aids-Hilfe überprüft werden. Denn die Selbsttests sind zwar recht genau, aber dennoch nicht so genau wie richtige Labortests. Die Behandlung der Erkrankung sollte dann unbedingt ein entsprechend spezialisierter Mediziner durchführen. Für Patienten, die sich vorerst anonym beraten lassen wollen, gibt es entsprechende Anlaufstellen im Internet. Auch die Deutsche Aids-Hilfe bietet eine persönliche Beratung und stellt auf Anfrage auch Kontakte zu anderen HIV-positiven Menschen her. Eine HIV-Infektion ist dank der modernen Medizin gut behandelbar. Betroffenen kann in den meisten Fällen ein nahezu normales Leben ermöglicht werden.

Die Deutsche Aids-Hilfe tritt Befürchtungen von psychologischen Folgen der Selbsttests entgegen: „ Bisherige Erfahrungen in anderen Ländern zeigen…: Die Dramen bleiben aus. Obwohl der Test schon in vielen Ländern verfügbar ist, gibt es bisher zum Beispiel keine Berichte von Suizidversuchen. Im Gegenteil: Die Menschen, die ihre HIV-Infektion per Selbsttest festgestellt haben, kommen meist kurz darauf in Arztpraxen oder Testprojekte, um den Test dort zu wiederholen und/oder medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Unterm Strich überwiegt der Nutzen des Selbsttests bei weitem“, heißt es.

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