Ein 50-jähriger Mann in Japan hat als weltweit erster Parkinson-Patient neue Nervenzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen ins Gehirn verpflanzt bekommen. Die entsprechende Operation fand bereits im Oktober am Kyoto University Hospital statt. Während des Eingriffes wurden etwa 2,4 Millionen Zellen übertragen. In naher Zukunft sollen auf diese Art und Weise fünf weitere Patienten behandelt werden.


Brain Scan
Foto: MRT Scans, Gerwin Sturm, Flickr, CC BY-SA 2.0

Neuartige Stammzellen umgehen ethische Probleme

Die entsprechende Therapie wurde am Center for iPS-Cell Research and Application (CiRA) in Kyoto entwickelt. DIe Ärzte wollen mit dem verpflanzten Gewebe abgestorbene Neuronen ersetzen, deren Aufgabe die Produktion des Neurotransmitters Dopamin ist.

Bei der Operation handelt es sich weltweit um einen der ersten Versuche, schwere Erkrankungen mit Hilfe von Gewebe zu behandeln, dass aus Stammzellen gewonnen wird. Die induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) sind relativ neu – vor gut 10 Jahren entdeckte der Japaner Shinya Yamanaka, dass sich normale menschliche Zellen direkt in einen embryonalen Zustand zurückversetzen und dann bei Bedarf zu jedem beliebigen Gewebe ausdifferenzieren lassen. Vor Yamanakas Arbeit war dies nur mit embryonalen Stammzellen möglich. Die Verwendung derartiger Zellen ist noch heute sehr umstritten, da sie aus überzähligen menschlichen Embryonen gewonnen werden. Die iPS-Zellen umschiffen die ethischen Probleme der embryonalen Stammzellen elegant. Die Entdeckung von Yamanaka führte zur Gründung des CiRAs unter Yamanakas Führung. 2012 erhielt der Japaner den Nobelpreis für Medizin.


iPS-Zellen von einem Spender

Die von Yamanaka entdeckten Zellen wurden 2014 erstmals therapeutisch verwendet, als einer Frau mit der Netzhauterkrankung Makuladegeneration ein Pigmentgewebe eingepflanzt wurde, das aus ihren eigenen Zellen entwickelt wurde. 2017 wurde der gleiche Eingriff bei einem weiteren Patienten durchgeführt, nur dass die iPS-Zellen dieses mal gespendet waren.

Auch die iPS-Zellen, die bei dem unbekannten Parkinson-Patienten zum Einsatz kamen, wurden gespendet. Dies bringt ein großes Zeitersparnis mit sich, da patienteneigene iPS-Zellen nur mit einem komplexen Verfahren kultiviert werden können. Aus diesem Grund arbeitet Japan momentan an einer Biobank, die 140 fertige IPS-Zelllinien enthalten soll.

Erste Ergebnisse 2020

Parkinson ist eine Krankheit, die seit Beginn der iPS-Forschung eine wichtige Rolle in dem Bereich spielt. Sie führt zum Untergang von Dopamin-produzierenden Neuronen, was zu neurologischen Ausfallerscheinungen führt, die sich immer weiter ausbreiten, bis irgendwann die gesamte Motorik betroffen ist. Parkinson kann momentan zwar medikamentös behandelt, aber nicht geheilt werden. Die iPS-Therapie gibt diesbezüglich neue Hoffnung: Die Forscher arbeiten daran, die verlorenen Neurone ersetzen zu können. Ob dies wirklich gelingen wird, wird sich zeigen müssen. Denn für den Erfolg der Therapie muss das Gewebe zu intakten Neuronen heranreifen. Die japanischen Forscher wollen noch weitere fünf Patienten mit den iPS-Zellen behandeln. Erste belastbare Ergebnisse werden für Ende 2020 erwartet.

via Nature

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