Das Streben nach Nachhaltigkeit sollte nicht nur im großen Maßstab stattfinden. Auch kleinere Gesten sind etwas wert. Wie etwa ein Bäcker aus Deutschland, der seine Öfen nicht mit Gas oder Strom, sondern mit altem Brot beheizt.


 Bakery Days Revisited - 3, Lemuel Cantos, Flickr, CC BY-SA 2.0
Bakery Days Revisited – 3, Lemuel Cantos, Flickr, CC BY-SA 2.0

Brot als Brennstoff

Die Geschichte von Roland Schüren beginnt mit einem Container Altbrot. Als er einen Tierfutterhersteller beim Abholen des Containers zusah, kam Schüren durch einen Hinweis seines Energieberaters darauf, dass er dort ein 1A-Heizmittel verschenkt. Aus dieser Erkenntnis wuchs der Plan, die Öfen in der Bäckerei mit dem alten Brot zu beheizen.

Aber so einfach, wie Schüren und sein Energieberater Gregor Hinz es sich vorstellten, war es dann doch nicht. Von der Idee im Jahr 2008 vergingen zwei Jahre, bis die Ofen-Spezialanfertigung in Schürens Backstube in Hilden bei Düsseldorf begann, Brot als Energiequelle zu verwenden. Das Problem lag vor allem im juristischen Bereich: Altbrot als Energiequelle ist gesetzlich nicht vorgesehen. Erst die vierte Verordnung des Bundesimmissionsschutzgesetzes führte dazu, dass altes Brot als “andere Energiequelle” eingestuft wurde, was bedeutete, dass Schürens Anlage mit 400 Kilowatt Maximalleistung nach den gleichen Kriterien geprüft werden musste wie ein Kraftwerk mit 1.300.000 Kilowatt Leistung.


Nachhaltigkeit dank Abfälle

Aber Schüren ließ nicht locker, und inzwischen liefern seine Biomasse-Brenner Energie für zwölf Backöfen. Nicht einmal die Restwärme geht verloren, sie wird für Warmwasser, Raumheizung und Spülmaschine genutzt. Als Brennstoff geeignet sind dabei nur altes Brot und alte Brötchen. Gebäckstücke oder Kuchen können nicht mitverbrannt werden.

Ganz auf Brot verlassen kann Schüren sich jedoch nicht. Die Abfälle werden zerkleinert, bis sie die Größe und Konsistenz von Sägespänen hat. In dem Brenner kommt dann eine Mischung aus 30 Prozent alter Backwaren und 70 Prozent Holzpellets zum Einsatz. Das Problem: Brot verbrennt erst ab einer Temperatur von 850 Grad Celsius rückstandsfrei, sodass die Anlage mit Holz aufgeheizt werden muss. Außerdem fallen in Schürens Bäckerei schlicht nicht mehr Brotabfälle an. Eine Tatsache, über die der Bäcker recht glücklich sein dürfte.

Der Umbau des Systems kostete Schüren insgesamt 1,1 Millionen Euro. Dafür ist er nun komplett unabhängig vom Gasmarkt, und der Bäcker hofft, dass sich die Investition in 10 Jahren amortisiert hat.

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