Aus Frankreich kam vor kurzem die Meldung, dass Nikotin möglicherweise vor dem Coronavirus schützt: Ausgerechnet der Hauptwirkstoff gesundheitsschädigender Zigaretten! Nun folgt eine weitere überraschende Botschaft aus Kanada: Auch Cannabis könnte die menschlichen Zellen vor SARS-CoV schützen, weil es wichtige Rezeptren verändert, die sich unter anderem in der Lunge befinden.


Von Frank Liebig – Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de, Link

Cannabis verändert wahrscheinlich den ACE2-Rezeptor

Das Coronavirus ist auf den Rezeptor ACE2 angewiesen, damit es in die menschliche Wirtzellen eindringen kann. ACE finden wir sowohl im Lungengewebe als auch in den Nieren, dem Magen-Darm-Trakt, den Hoden und der Mund- und Nasenschleimhaut. Cannaboide verändern diese Andockpunkte wahrscheinlich so, dass die jeweilige Person dem Virus besser standhalten kann. Die schlichte Gleichung lautet: ohne ACE2 kein Zugang zum Wirt. Dr. Igor Kovalchuck, der an der Universität Lethbridge als Professor für Biowissenschaften arbeitet, machte die interessante Entdeckung im Rahmen seiner Studien zu Morbus Crohn, Krebs und anderen Krankheiten im Zusammenspiel mit Cannabis. Die Corona-Untersuchung ist nicht fachlich geprüft, hat also das Peer Review noch nicht hinter sich. Doch es erfolgte eine Vorab-Veröffentlichung auf reprints.org. Die kanadischen Forscher experimentieren mit speziellen Cannabis-Stämmen, die für ihre Untersuchungen gezielt gezüchtet wurden.

Medizinischer Cannabis ist nicht psychoaktiv

Die medizinischen Cannabis-Pflanzen enthalten kein oder nur sehr wenig berauschendes THC, dafür aber liegen ihre CBD-Werte besonders hoch. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, ein Cannaboid, das entzündungshemmend wirkt. Die aus diesen Cannabis-Sorten gewonnenen Wirkstoffe sind also nicht psychoaktiv. Die Universität Lehtbridge ist in Besitz von mehr als 800 selbst entwickelten Cannabis-Sativa-Sorten, daraus haben die Wissenschaftler nun 13 Extrakte gezogen, die Einfluss auf die menschlichen ACE2-Werte haben sollen.


Nun müssen die Forschungsergebnisse aus Kanada aber erst noch validiert und in klinischen Studien überprüft werden, bevor sich ein tatsächlicher therapeutischer Ansatz daraus ergibt. Von der Selbstmedikation mit Cannabis ist natürlich abzuraten.

Quelle: dw.com

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