Je älter ein Mensch, desto größer sein Risiko, an Krebs zu erkranken. Und nicht nur das: Die Tumore erweisen sich im Alter oftmals als deutlich aggressiver, bilden eher Metastasen und sprechen teilweise nicht mal mehr auf Chemotherapeutika an. Woher kommt das? Und: Lässt sich das ändern? Der ersten Frage gingen Forscher des New Yorker Weill Cornell Medical College auf dem Grund. Die zweite Frage können sie im nächsten Schritt in Angriff nehmen.


Tumore fühlen sich im Blut alter Menschen deutlich wohler

Wachstumsfreudige Tumore in Blutproben mit viel MMA

Den Wissenschaftlern um Ana Gomes ist es tatsächlich gelungen, die Substanz aufspüren, die dem Krebs so viel Aufwind gibt. Es handelt sich um Methylmalonsäure (MMA), die im Blut alter Menschen bis zu 100-fach höher konzentriert sein kann als bei jungen Menschen. MMA entsteht beim Fett- und Proteinabbau, wird aber auch bei bestehendem Vitamin-B12-Mangel freigesetzt. In Blutproben mit viel MMA zeigten sich Tumore deutlich wachstumsfreudiger und bildeten eifrig Metastasen. Zudem erwiesen sie sich als resistent gegen Carboplatin und Paclitaxel, zwei reguläre Chemotherapeutika. Dort, wo MMA Mangelware ist, hält sich der Krebs hingegen zurück.

Altes Blutserum lässt Krebs auch in Mäusen wuchern

Wenn Labormäuse in altem Blutserum angesetzt Brustkrebszellen injiziert bekommen, entwickeln sie Metastasen in der Lunge. In jungem Blut schwimmende Tumorzellen jedoch lösen bei ihnen keine Erkrankung aus. MMA alleine lässt im Versuch auf Nährlosung den Krebs ebenfalls regelrecht explodieren, und zwar deshalb, weil die Substanz das SOX4-Gen der Krebszellen aktiviert. Dieses Gen gilt allgemein als Marker für aggressive Krebsarten. Wird es im Blut nachgewiesen, dann sind Metastasenbildungen und rasches Tumorwachstum so gut wie sicher.


Das alles klingt erst einmal wie eine schlechte Nachricht, aber nur, solange die besagte zweite Frage noch offen bleibt. In der Zeitschrift »Nature« äußern die Forscher sich folgendermaßen: „Die Akkumulation von Methylmalonsäure verbindet das Altern mit dem Krebswachstum – und das spricht dafür, dass MMA auch ein vielversprechendes Ziel für Therapien bei fortgeschrittenem Krebs sein könnte.« Wer den Krebs versteht, der kann ihn einfach viel besser bekämpfen. Und genau in die Richtung verschiebt sich nun die Stoßrichtung der Wissenschaftler.

Quelle: scinexx.de

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