Experten schätzen, dass die deutschen Wälder den CO2-Ausstoß hierzulande um rund 14 Prozent reduzieren. Zum Vergleich: Dies entspricht in etwa den Emissionen des gesamten Verkehrssektors. Bisher allerdings erhalten die Waldbauern dafür keine finanzielle Gegenleistung. Zwar hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nun 800 Millionen Euro Soforthilfe für den deutschen Wald in Aussicht gestellt. Ein langfristiger Mechanismus soll bisher aber nicht eingeführt werden. Anders sieht dies in Neuseeland aus. Dort werden die Waldflächen in den Zertifikatehandel des Landes einbezogen. Die „Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände“ fordert nun, ein ähnliches System auch in Deutschland einzuführen. Dies alleine ist schon Grund genug, sich das System in Neuseeland einmal genauer anzuschauen. Wie also funktioniert die Entlohnung der Waldbesitzer dort?


Foto: Forrest, Simon Gehrig, Flickr, CC BY-SA 2.0

Neuseeländische Waldbesitzer dürfen CO2-Zertifikate verkaufen

Grundsätzlich basiert der Handel mit CO2-Zertifikaten in Neuseeland auf demselben Prinzip wie auch in der Europäischen Union: Produzenten von CO2-Emissionen sind verpflichtet, entsprechende Emissionszertifikate zu erwerben. Dadurch soll der Ausstoß verteuert werden – was im Gegenzug Einsparbemühungen belohnt. In Neuseeland kommt nun die Besonderheit hinzu, dass auch die Wälder in dieses System mit einbezogen werden. Diese stoßen aber kein CO2 aus, sondern nehmen es auf. Dafür wiederum erhalten die Besitzer des Waldes CO2-Zertifikate, die sie dann auf dem freien Markt verkaufen können. Bei den aktuellen Preisen für CO2-Zertifikate in Neuseeland ergibt dies ein finanzielles Zubrot von rund 600 Euro pro Hektar jährlich. Dieses Geld kann der Waldbesitzer dann nutzen, um den Forst fit für die Auswirkungen des Klimawandels zu machen. Es macht aber auch generell die Aufforstung von bisher ungenutzten Flächen attraktiver.

Monokulturen sollten hierzulande vermieden werden

Grundsätzlich wäre die Einführung eines solchen Modells also auch in Deutschland beziehungsweise der Europäischen Union sinnvoll. Allerdings sollte dabei darauf geachtet werden, bestimmte Fehlentwicklungen aus Neuseeland nicht zu übernehmen. So sind dort sehr viele Kiefern-Monokulturen entstanden, weil diese Bäume schnell wachsen und dementsprechend viel CO2 aufnehmen. Solche Wälder sind aber nicht nur anfälliger für Naturereignisse wie Stürme oder Dürren, sondern schränken auch die Biodiversität ein. Durch ein leicht verändertes Anreizsystem ließen sich diese ungewollten Auswirkungen allerdings verhindern. So könnte die Zuteilung der Zertifikate nicht ausschließlich auf Basis des eingesparten CO2s erfolgen, sondern auch noch weitere Faktoren mit einbeziehen. Zuvor ist aber zunächst eine politische Grundsatzentscheidung nötig, ob ein solches System hierzulande überhaupt gewünscht ist.


Via: FAZ

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