Pakistan gehört schon in normalen Zeiten nicht gerade zu den reichsten Staaten der Welt. Im Human Development Index der Vereinten Nationen belegt das Land den 152. Platz. Premierminister Imran Khan versprach im Wahlkampf zwar den Aufbau eines islamischen Wohlfahrtstaates. Dafür ist er allerdings auf eine funktionierende Wirtschaft und hohe Steuereinnahmen angewiesen. Die Corona-Krise allerdings sorgte für das genaue Gegenteil: Auf Druck des Militärs musste Khan das wirtschaftliche und soziale Leben weitgehend einschränken. Experten verwiesen aber zeitnah darauf, dass dies nicht ohne soziale Härten ablaufen kann. Denn Millionen Menschen in Pakistan arbeiten als Tagelöhner oder Hilfskräfte ohne feste Anstellung. Sie haben keine Reserven, um längere Zeiten ohne Einkommen zu überstehen. Hinzu kommt: Weil auch die Wirtschaft in den Industriestaaten leidet, sinkt die Nachfrage nach wichtigen Exportprodukten – etwa Textilien.


Aktuell sind in Pakistan nur etwas mehr als vier Prozent der Landesfläche mit Wäldern bedeckt. Bild: Power22 / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Die Corona-Krise sorgt für Millionen neue Arbeitslose

Einige Konzerne weigerten sich in der Krise zunächst sogar bereits bestellte und produzierte Ware abzunehmen. Nach öffentlichem Druck revidierten sie diese Entscheidung zwar. Dennoch gingen die Aufträge in der Folge stark zurück. Alles in allem gehen Schätzungen davon aus, dass alleine die Folgen der Corona-Krise die Zahl der Arbeitslosen in Pakistan um 18 Millionen Menschen erhöhen könnte. In dieser Situation erinnert sich die Regierung nun an ein bereits im Jahr 2018 aufgelegtes Programm. Damals wurden unter dem Slogan „10 Billion Tree Tsunami“ große Baumpflanzaktionen gestartet. Anfangs wurden dabei bis zu 2,5 Millionen Bäume am Tag gepflanzt. Zwischendurch ging der Elan dann ein wenig verloren. Nun aber erhält das Programm neuen Schwung, weil die Regierung von der Corona-Krise besonders getroffene Menschen für das Bäume pflanzen bezahlt. Mit 500 Rupien – was umgerechnet rund 2,83 Euro entspricht – liegt die Bezahlung in etwa bei der Höhe des staatlichen Mindestlohns.

Pakistan wäre von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen

Reich wird dadurch logischerweise niemand. Dennoch ist die Nachfrage nach diesen besonderen staatlichen Jobs groß. Denn die Arbeiter erhalten zusätzlich zu der Bezahlung noch eine Sondererlaubnis zum Verlassen der eigenen Wohnung sowie Schutzmasken. Das Angebot richtet sich zudem primär an von der Krise besonders stark getroffene Gruppen – etwa Frauen oder Wanderarbeiter. Dass sich Pakistan mit dieser Aktion auch beim Kampf gegen den Klimawandel engagiert, ist kein Zufall. Denn Berechnungen haben ergeben, dass nur vier Länder weltweit von den Folgen einer ungebremsten Erderwärmung stärker betroffen wären. Auf der anderen Seite sorgen wirtschaftliche und politische Zwänge regelmäßig dafür, dass die Bemühungen in diesem Punkt konterkariert werden. So versucht der Staat aktuell die lückenhafte Stromversorgung zu verbessern, indem zahlreiche neue Kohlekraftwerke errichtet werden. Diese sind zwar preiswert, gelten aber eben auch als Klimakiller.


Via: FAZ

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