Rund um die bekannten deutschen Automarken hat sich in hierzulande eine große Zahl an Zulieferern etabliert. Teilweise handelt es sich dabei um mittelständische Betriebe, oftmals aber auch um Weltmarktführer mit riesigen Umsätzen. Viele dieser Betriebe haben inzwischen aber mit großen Problemen zu kämpfen. Denn auch sie müssen viel Geld investieren, um in Sachen Elektromobilität und autonomes Fahren nicht den Anschluss zu verlieren. Gleichzeitig werden die Verhandlungen mit den Autoherstellern immer schwieriger, weil diese versuchen, mehr Kosten auf die Zulieferer abzuwälzen. Durch die Corona-Krise sind zudem auch die Verkaufszahlen stark gesunken. Der kanadische Konzern ATS Automation Tooling Systems hat daher angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und den Standort seines deutschen Tochterunternehmens ATW in Neuwied zu schließen.


Bild: JD Lasica from Pleasanton, CA, US / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

ATW baut Batterie-Montageanlagen in wenigen Monaten

Insgesamt 210 Arbeitsplätze drohten dadurch verloren zu gehen. Doch nun scheint eine Rettung gelungen zu sein. Denn der Elektroautopionier Tesla übernimmt laut Kartellamt das Werk. Einem Sprecher zufolge handelt es sich sogar um eine Fusion, wobei nähere Details noch nicht bekannt sind. Das Interesse von Tesla an dem Zulieferer scheint aber auf der Hand zu liegen. Denn ATW hat sich auf den Bau, den Betrieb und die Analyse von Batterie-Montageanlagen spezialisiert. So wirbt das Unternehmen damit, auch komplexe Anlagen innerhalb von sechs Monaten zur Produktionsreife zu bringen. Genau diese Expertise kann Tesla gut gebrauchen – unter anderem beim Aufbau der neuen Fabrik in der Nähe von Berlin. Einen guten Ruf in der Branche genießen die Ingenieure des Zulieferers auf jeden Fall: Bisher gehörten BMW, Daimler und VW zu den Kunden von ATW.

Deutsche Expertise gewinnt bei Tesla an Bedeutung

Die Investition in Neuwied ergibt für Tesla auch deshalb Sinn, weil man nur rund einhundert Kilometer entfernt bereits engagiert ist. So hat der Elektroautobauer vor einigen Jahren im rheinland-pfälzischen Prüm den Anlagenbauer Tesla Grohmann Automation GmbH übernommen. Es ist durchaus denkbar, dass hier zukünftig eine enge Zusammenarbeit angestrebt wird. Deutsche Expertise könnte bei der Einrichtung der Tesla-Werke dadurch noch weiter an Bedeutung gewinnen. Die Politik in Deutschland jedenfalls begrüßt die Initiative von Tesla in Neuwied. Sowohl der Oberbürgermeister Jan Einig (CDU) als auch das Wirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz hatten sich für einen Einstieg ausgesprochen. Die Gewerkschaften wiederum dürften die Aktion mit gemischten Gefühlen betrachten. So konnten die Arbeitsplätze zwar gesichert werden. Bei Grohmann allerdings gab es auch schon heftigen Streit zwischen Tesla und der IG Metall. Letztlich gab es aber auch dort eine Einigung.


Via: Handelsblatt

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