Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass die Aktivität des menschlichen Gehirns nach dem Tod unmittelbar zum Erliegen kommt. Allerdings gab es immer wieder Berichte von Menschen, die nach einem Herzstillstand wieder ins Leben zurück geholt wurden. Bei diesen schien das Gehirn keineswegs die Arbeit eingestellt zu haben. Stattdessen berichteten sie von einem hellen Licht, einem Schwebegefühl oder Erinnerungen im Zeitraffer. Die Zahl der Berichte deutet darauf hin, dass es sich nicht um reine Einbildungen handelt. Aus neurophysiologischer Sicht konnten diese Erfahrungen bisher aber nicht erklärt werden. Zuletzt konnte die Forschung hier aber einige wichtige Erkenntnisse gewinnen. So wurde bei Ratten kurz nach dem Tod eine erhöhte Gehirnaktivität festgestellt. Beim Menschen gab es ähnliche Hinweise, der konkrete Nachweis fehlte bisher aber. Nun konnten Forscher in China und den Vereinigten Staaten erstmals die Gehirnaktivitäten nach dem Tod eines Menschen überwachen.


Brain Scan
Foto: MRT Scans, Gerwin Sturm, Flickr, CC BY-SA 2.0

Im Fokus standen die dreißig Sekunden nach dem Tod

Es handelte sich allerdings keineswegs um ein besonders makabres Experiment. Vielmehr kam ein 87-jähriger Mann wegen Epilepsie in ein Krankenhaus. Um den Zustand des Patienten zu überwachen, kam ein hochauflösendes Elektroenzephalogramm (EEG) zum Einsatz. Wenige Tage später starb der Mann allerdings an einem Herzstillstand. Weil das EEG in dieser Zeit noch weiterlief, konnten erstmals 900 Sekunden an Gehirnaktivität rund um den Todeszeitpunkt aufgezeichnet werden. Die so gewonnenen Daten wurden nun von Forschern der University of Louisville genauer analysiert. Im Fokus standen hier vor allem die dreißig Sekunden unmittelbar nach dem Herzstillstand. Die wichtigste Erkenntnis: Kurz vor und nach dem Todeszeitpunkt konnte eine besondere Aktivität bei den sogenannten Gammawellen festgestellt werden. Die dadurch entstehende Dominanz dieser Gammawellen blieb auch nach dem Tod zunächst bestehen. Erst nach etwa einer halben Minute ebbte diese Energie dann ab.

Das Gehirn scheint ein festes Repertoire abzuspulen

Zusätzlich wurde in dieser Zeit eine starke Kopplung zu den Alphawellen festgestellt. Die Daten, auf denen diese Analyse beruht, sind natürlich mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn es konnte nur die Gehirnaktivität eines einzelnen Patienten aufgezeichnet werden. Dieser litt zudem noch unter Epilepsie – was durchaus Auswirkungen auf die Aktivitäten des Gehirns auch über den Tod hinaus haben könnte. Dennoch sind die Forscher recht sicher, dass sich ein Großteil der Erkenntnisse auch verallgemeinern lässt. So scheinen die Aktivitätswellen des Gehirns nach dem Tod deutlich koordinierter abzulaufen als in der Vergangenheit angenommen. Stattdessen scheint das Hirn nach einem fixen Muster zu agieren. Dies wiederum könnte auch als Erklärung für die zahlreichen sich ähnelnden Nahtoderfahrungen dienen. Nun wollen die Forscher schauen, ob sich ähnliche Prozesse auch bei anderen Tieren als den bereits erwähnten Ratten nachweisen lassen.


Via: Frontiers

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